Das Familiengeheimnis

Das Familiengeheimnis
Ein Beitrag von Hanne Büchner aus Neustadt bei Coburg

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Neustadter Hundstage - Alljährliche Mundartveranstaltung
Auf dem Foto sind Hannelore Büchner und 3. Bürgermeister Martin Stingl zu sehen
Foto: 2013 © Ulrich Göpfert

Wie ich körzlich amol widdo im Routhaus im Archiv gstöbot hou, is mo a alta Aktn zwischen die Fingo kumma. „Hundesteuer-Bescheide“ stand drauf un neugierich, wie ich nu amol bin, hou ich dou aweng drin rüm goblättot.

Unto dan Buchstabn „K“ stand zu lasn:
Herrn Metzgermeister Gustav Korn von hier, wird gem. § 1,1 der Verordnung vom 8. März 1892, die Benutzung des Hundes als Zugtier, hiermit bestätigt, dass dessen Zughund „Türk“ Metzgerhund männl. 3 Jahre alt, 68 cm hoch u.s.w…

Dou hots bei mir goklinglt, denn do Gustav Korn wor mein Urgroßvatto sei Brudo un  übo dan un sein Hund is bei uns in do Familia ümmo a weng gotuschlt un ganz goheimnissvoll gotan worn.
Des Hünd alt gowar könna is ja bokannt owo - es ewicha Laam ham sa halt aa net.
Eines Taches musst sich do Onkl Gustav nouch fast 14 Johrna Gemeinsamkeit von sein enn treun Bogleito trenn.
Ar hots net übosch Herz gobracht, dan tuotn Hund nou die Brennosch-Mühl zu schaffn.
Ar musst an Fuhrmaa-Fischer denk, dan sei Pfard, die Lies, is aa net einfach zum Oudecko kumma, sondon hot in Form von 1a-Trapp-Trapp a sinnvolla un sehr schmackhafta Vowendung gfunna.
Un weil ja do Onkl Gustav ke-i Dummo wor, hot ar a guta Idee ghott.
Am Sunntich nouch dan plötzlichn Tuod von sein Hund is uom aufn Muppbarch do Aussichts-Turm eigoweiht worn un bei daro Gole-ichnheit worn etlicha Fremma in Neustadt.

A Trupp Coborcho hot aa die Neugier eigonumma, denn wu do Hund mitn Schwaaz leiot, dou senn die Rezidenzlo aa zu traffn.
Nouch daro Einweihungs-Feio wollten sa wos ass un senn in do Ernststrouß vur do Wertschaft vom Onkl Gustav goland.

Dort hot a drum Schild „Internationale Spezialitäten“ aagokündicht.
Heute besonders zu empfehlen: „Türkischer Sauerbraten mit Klößen“.

Ihr könnt euch vürgschtell, des die Coborcho die Wertschaft gschtürmt ham.
Ölla wollten sa die Internationale Spezialität prowier.
In do Küch senn die Mädla mitn Klö-ißeile-ichn net nouchkumma un do Onkl Gustav hät fünf Händ zum Auftrouchn künn gobrauch, denn die Cobrocho ham gfrassn wie die Wölf.

Nouchdem ke-i Kluoß un ke-i Bröckla Flääsch mehr übrich wor, hot a Coborcho in Onkl Gustav an Tiesch gowunkn:

„Herr Wirt, wir müssen ihnen ein großes Lob aussprechen, ihre Klöiße waren vorzüglich und erst der gute Sauerbraten, ein großes Lob an die Köchin. Nur verraten sie uns doch bitte, warum sie diesen köstlichen Braten ausgerechnet als „Türkischen Sauerbraten“ angeboten haben“ !

Dou hot do Onkl Gustav a weng gogrinst un dann ganz unschuldich goantwort:
„Wissn sa guto Maa, des Flääsch von dan Sauobroutn stammt von mein Hund un dar Hund hot „Türk“ ghäßn“.

Öb ar werklich dan Coborchona sein Hund „Türk“ serviert hot, blieb sei Goheimnis.
Un des Goheimnis hot do Onkl Gustav mit neis Groub gonumma.

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