„Wer aber war die geheimnisvolle Frau?“

„Wer aber war die geheimnisvolle Frau?“
Das Rätsel um die „Dunkelgräfin“ von Hildburghausen
ist zwar wissenschaftlich gelöst, aber diese Frage bleibt

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Grabstätte der „Dunkelgräfin“ in Hildburghausen
Foto: 2014 © Ulrich Göpfert

Nun ist es wissenschaftlich belegt
Die als «Dunkelgräfin» bekannte Tote aus einem Grab im südthüringischen Hildburghausen ist nicht die französische Königstochter Marie Thérèse Charlotte de Bourbon. Der MDR Thüringen lüftete in einer einstündigen Fernseh-Dokumentation das Geheimnis, über das die Einwohner der Gegend und Historiker seit mehr als 150 Jahren rätselten. Ein interdisziplinäres Wissenschaftlerteam hatte seit der Graböffnung 2013 umfangreiche Untersuchungen der sterblichen Überreste und vergleichende DNA-Analysen vorgenommen.

Die stets verschleierte, geheimnisvolle Frau war 1837 gestorben
Eine der Legenden ging davon aus, dass es die Tochter von Marie Antoinette und Ludwig XVI. gewesen war, die von 1807 an im Schloss Eishausen Zuflucht gesucht hatte. Marie Thérèse war die einzige Überlebende der Königsfamilie, die während der französischen Revolution umgebracht wurde. Eine der Legenden besagte, dass eine Halbschwester den Platz der wahren Marie Thérèse eingenommen habe, da sie nach der jahrelangen Gefangenschaft und dem Tod der Eltern und des jüngeren Bruders, des Thronfolgers psychisch angeschlagen war.

Die Wissenschaftler verglichen die DNA-Proben
der weiblichen Toten aus dem Grab von Hildburghausen mit denen der weiblichen Linie von Maria Theresias, der Mutter von Marie Antoinette. Sie ergaben keine Übereinstimmung. Ebenfalls keinen Treffer landeten die Wissenschaftler bei der Analyse von Proben aus dem Herzen von Ludwig XVII., dem Bruder von Marie Thérèse, das in einer Basilika in Paris aufbewahrt wird. Im Jahr 2000 hatten Wissenschaftler bereits dessen DNA analysiert und mit lebenden Nachfahren verglichen. Der MDR ließ zudem eine Speichelprobe von Alexander Prinz von Sachsen untersuchen. Sie stimmte mit dem DNA-Ergebnis des Kronprinzen überein, aber nicht mit der DNA aus dem Grab der Dunkelgräfin.

Damit können wir eindeutig sagen: Die Dunkelgräfin kann nicht die Prinzessin sein
sagte Walter Parson, Molekularbiologe am Institut für Gerichtliche Medizin der Medizinischen Universität Innsbruck. Auch der Vergleich des Totenschädels der Dunkelgräfin mit Kinderbildern führte zu keiner eindeutigen Übereinstimmung.

"Es bleibt aber sehr spannend, wer die Dunkelgräfin wirklich war, denn wir haben eine nicht alltägliche DNA-Sequenz", ergänzte Sabine Lutz-Bonengel vom Institut für Gerichtsmedizin des Universitätsklinikums Freiburg. Damit bestehe die Chance, die mütterliche Linie der Dunkelgräfin zu finden, die rund 40 Jahre lang, streng abgeschirmt vor der Öffentlichkeit, vor allem in Südthüringen lebte.

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Grabstätte der „Dunkelgräfin“ in Hildburghausen
Foto: 2014 © Ulrich Göpfert

„Wenn ein Geheimnis bleibt, hat es auch seinen Charme“
Für den Interessenkreis Dunkelgräfin war ein eindeutiges Ergebnis wichtig, nicht so sehr welches. Einer der eingebundenen Historiker sagte es so: Wenn ein Geheimnis bleibt, hat es auch seinen Charme.

Quelle: Thüringer Staatskanzlei – www.thueringen.de 
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