Neue Sonderausstellung

„Multiple Objekte.
44 experimentelle Porzellanobjekte der Fachschule für Produktdesign“
im Porzellanikon Selb;

Ausstellung vom 22. Februar bis 21. April 2013;
Dienstag – Sonntag, 10-17 Uhr

Das Ganze:  Mehr als die Summe seiner Teile
Die Fachschule Selb startet eine gewitzte Attacke auf ein Lieblingskind der modernen Kunst

Duchamp hat’s erfunden, Warhol hat es massentauglich gemacht und seit nunmehr knapp hundert Jahren ist das Multiple eine anerkannte, beliebte und oftmals vergleichbar erschwingliche Spielart moderner Kunst. Hierbei ist „der Künstler primär Gestalter, der Form, Größe, Materialien, Techniken, Auflage u. ä. festlegt, während die Ausführung meist von spezialisierten Fachkräften übernommen wird“.

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Martin Werthes
Limboo

Eine Hängematte für Limetten. Urlaubserinnerungen? Mix Dir einen Caipirinha! Öffne das Fenster! Hörst Du die karibischen Rhythmen, siehst Du die Palmen? Wie wär´s mit einer Beachparty zu Hause? Los geht´s!

Die Selber Fachschule für Produktdesign wollte jetzt mit ihrem Projekt Multiple Objekte von einer derartigen Trennung nichts wissen und drehte den Spieß um: Vierundvierzig angehende Produktdesignerinnen und -designer, per se mit der seriellen Herstellung befasst, dachten einmal umgekehrt. Sie sollten zunächst nicht ein Endprodukt im Auge haben, sondern vielmehr die verschiedenen Möglichkeiten, ein Produkt zu erstellen. Dazu entwarfen die Schüler jeweils einen einzelnen, vielfach zu multiplizierenden Baustein aus Hartporzellan, der im Thema Aufbewahrung und Lagerung von Zitrusfrüchten exemplarische Anwendung findet, wie die etwas nüchtern formulierte Aufgabenstellung lautete.

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Julia Schottky
Edison

Mein Objekt gleicht einem kleinen Denkmal für einen genialen Erfinder.
Das Aus für die herkömmliche Glühbirne kam nach 130 Jahren. In 3 Stufen wurde der Verkauf abgebaut. 2012 wurden die die letzten Birnen vom Markt genommen.

Was die beiden Jahrgänge der um die zwanzig Jahre alten FachschülerInnen allerdings daraus machten, birgt jede Menge Witz, Hintersinn und Einfallsreichtum. Die handwerkliche Ausführung ist dabei bestechend. Und das auch bei durchaus vertrackten Lösungen. Materialkombinationen kommen mit Holz, Metall, Kunststoff oder Leder vor, die Hartporzellanteile werden auf Platten gelegt, mit Draht, Schnüren oder Bändern zu Clustern verbunden, auf Stäben, Sprungfedern oder Magnetfeldern gelagert. Die Zitrusfrüchte schweben dementsprechend auf Lichtpolstern, Glühbirnenfeldern oder Kugellagern, in allerhand Schaukeln oder keramischen Hängematten. Die multiplizierten Grundelemente aus Porzellan sind dabei sowohl inspiriert durch die Natur (Blätter, Zähne, Pilze, Mikroorganismen, Zellformen) als auch durch die Geometrie (Kreis, Kegel, Pyramide). Auch eine Hommage an die Glühbirne findet sich, eine Geschichte über unüberwindbare Grenzen, über Südseeträume und über den menschlichen Spieltrieb.

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Sonja Fischer
Obstschale

Die in unterschiedlicher Höhe angeordneten filigranen Porzellanflügel wirken nahezu schwerelos und lassen die Früchte schweben. Egal welche Obstsorte darauf arrangiert wird, jede Farbe kommt auf dem weißen Untergrund sehr gut zum Leuchten. Die scheinbar wahllose Anordnung der Flügel lockert den vertikal dreigeteilten Aufbau auf, sie greifen locker ineinander und ergeben gemeinsam ein Ganzes.

Der übrigens ist der verbindende Faktor zwischen den vielen unterschiedlichen Ansätzen. Und nicht nur den angehenden Designern scheint das Spiel mit den Elementen Spaß gemacht zu haben: Viele laden durch ihre Konstruktionen auch die zukünftigen Nutzerinnen und Nutzer dazu ein, das eigene Objekt selbst (um)zu gestalten, mit Formen und Möglichkeiten zu spielen.

Und das ist das zweite große Thema: Raum zu lassen
Der eigenen Vorstellung, aber auch dem tatsächlichen Zwischen-Raum.
Die Spannung zwischen den kompakten Porzellanelementen und deren spielerischer Anordnung nimmt immer auch den Raum dazwischen als gestalterisches und gestaltendes Element wahr. Offenheit und Flexibilität sind Qualitäten, die das ganze Projekt auszeichnen.

Eine anregende und überzeugende Arbeit, die nun vom 22. Februar bis zum 21. April in einer Ausstellung im Porzellanikon Selb mündet. Sicher wird sie auch denjenigen viel Spaß machen, die die Objekte zunächst nur mit den Augen „ausprobieren“ können. Chapeau!

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