25. Coburger Neujahrskonzert

„Alles Walzer!.. oder was?“
25. Coburger Neujahrskonzert 2012
Am 06. Januar 2012 wurde das „Neue Jahr“ schwungvoll eingeleitet.
Alt-Wiener Strauss-Ensemble aus Stuttgart feiert in diesem Jahr das 40. Jahr
seiner Gründung.


Eine Fotoreportage von Ulrich Göpfert

Coburg
Das Coburger Neujahrskonzert feierte in diesem Jahr sein 25jähriges Jubiläum. Es ist zu einem festen Bestandteil im Jahreslauf beim Konzertpublikum geworden und aus dem Terminkalender nicht mehr wegzudenken. Es erfreut sich bereits seit zweieinhalb Jahrzehnten großer Beliebtheit bei den Coburgern und seinen Gästen, die wieder aus nah und fern zu diesem Traditionskonzert in das Kongresshaus Rosengarten gekommen waren.

Doch dies war nicht das einzige Jubiläum, denn das Alt-Wiener Strauss-Ensemble aus Stuttgart feiert in diesem Jahr das 40. Jahr seiner Gründung (1972 bis 2012), Leitung: Ralph Kulling, Gründer: Arthur Kulling.

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40 Jahre Alt-Wiener Strauss-Ensemble Stuttgart (1972-2012)
Das in seiner Zusammensetzung in der Bundesrepublik einzigartige Ensemble, welches die Musik der Strauss-Dynastie, Joseph Lanners und seiner Zeitgenossen in der Alt-Wiener Besetzung interpretiert, wurde 1972 von Konzertmeister Arthur Kulling und 11 Mitgliedern des Württembergischen Staatsorchesters Stuttgart gegründet.

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Im September 2001 übernahm sein Sohn Ralph die Leitung des Ensembles.

Arthur Kullings überaus authentisch klingende Rekonstruktionen verlorengegangener oder vernichteter Strauss'scher Originalarrangements für die kleine Besetzung verleihen dem Ensemble einen besonderen Stellenwert.

Seit der Vernichtung eines Großteils des Notenmaterials der Strauss-Kapellen (im Jahr 1906 wurden viele der einmaligen handschriftlichen Originalnoten verbrannt) ist der ursprüngliche intime Klang vieler Strauss'scher Kompositionen erstmals wieder annähernd "original" zu hören.

Die Deutsche Johann-Strauss-Gesellschaft erkennt die künstlerische Leistung des Alt-Wiener Strauss-Ensembles an und hat dem Ensemble 2001 das Ehrenprotektorat verliehen. Im Juni 2002 wurde Arthur Kulling für sein unermüdliches künstlerisches Engagement das Bundesverdienstkreuz verliehen.


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Neben den regelmäßigen Neujahrskonzertauftritten in der Stuttgarter Staatsoper und einer regen, über das Jahr verteilten Konzerttätigkeit in ganz Deutschland, gastierte das Ensemble immer wieder mit überwältigendem Erfolg im Ausland. Die Stationen dort reichten von Schweden, Norwegen, Dänemark über Österreich, Schweiz, Spanien und Italien bis hin nach Südafrika.

2006 wurde das AWSE und als erstes Ensemble seiner Art zu Gastspielen in die Türkei eingeladen. 2008 fand erstmals eine umfangreiche Japan-Tournee statt. Das so erworbene Repertoire umfasst weit über 280 Werke (ca. 18 Stunden reine Musik). Die erfolgreichsten und wirkungsvollsten Stücke sind auf mittlerweile 9 CDs exklusiv bei dem Label HERA (Vertrieb: Klassikcenter Kassel) veröffentlicht. Ganz aktuell seit Oktober im Handel: die Jubiläums-CD „Alles Walzer!.. oder was?“, die auch im Konzertverkauf angeboten wird.


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Mit Maria-Theresa Ullrich und Michael Ebbecke
Für das Konzert am 6. Januar 2012 konnten als Solisten die Sopranistin Maria-Theresa Ullrich und der Bariton Michael Ebbecke gewonnen werden.

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Die Deutsch-Portugiesin Maria Theresa Ullrich wurde in Bonn geboren und studierte zunächst Romanistik und Komparatistik an den Universitäten in Bonn und Lissabon. Parallel dazu absolvierte sie ein Gesangsstudium am Bergischen Gesangsinstitut Gummersbach. Seit 1998 ist sie Ensemblemitglied der Staatsoper Stuttgart. Gastauftritte führten sie u. a. an das Opernhaus Zürich und zum Cantiere Internazinale d’Arte di Montepulciano. Ihr Repertoire umfasst Rollen aus Werken von Donizetti, Rossini, Janácek, Mozart, Wagner, Strauß und Verdi. Seit 2002 tritt sie zusammen mit dem Alt-Wiener Strauss-Ensemble auf und hat im Herbst 2004 mit dem Ensemble ihre zweite CD aufgenommen.

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Michael Ebbecke wurde in Wiesbaden geboren und ist seit 1985 Ensemblemitglied der Staatsoper Stuttgart. 1998 wurde er dort zum Kammersänger ernannt. Er sang hier viele herausragende Partien seines Fachs, wie Don Giovanni, Conte Almaviva, Barbiere, Wolfram und Heerrufer. Im Rahmen von Gastengagements ist er in Buenos Aires, Genf, Lissabon, Prag, Paris, Mailand, Wien und Zürich aufgetreten.

Auf dem Programm des Neujahrskonzertes 2012 standen natürlich in erster Linie Kompositionen von Johann Strauss, aber auch von Emmerich Kálmán, Gioacchino Rossini, Carl Millöcker und Franz Lehàr. Im gesanglichen Teil des Konzertes brillierte die Mezzosopranistin Maria Theresa Ullrich und der Bariton Michael Ebbecke von der Staatsoper Stuttgart.

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Mit dem „Alt-Wiener Strauss-Ensemble“ unter der Leitung von Ralph Kulling wurde das „Neue Jahr“ wieder einmal schwungvoll eingeleitet.  Grüße der Stadt Coburg überbrachte Bürgermeister und Kulturreferent Norbert Tessmer.


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Dr. Eduard Strauss (Urenkel von Eduard Strauss und Ururenkel von Johann Strauss Vater) aus Wien führte traditionell mit sachkundigen und launigen Worten durch das Programm. Zu Beginn trug er das Gedicht von Peter Rosegger:

 „Wünsche zum neuen Jahr“ vor:

Ein bisschen mehr Friede und weniger Streit.
Ein bisschen mehr Güte und weniger Neid.
Ein bisschen mehr Liebe und weniger Hass.
Ein bisschen mehr Wahrheit  das wäre was.

Statt so viel Unrast ein bisschen mehr Ruh.
Statt immer nur Ich ein bisschen mehr Du.
Statt Angst und Hemmung ein bisschen mehr Mut.
Und Kraft zum Handeln, das wäre gut.

In Trübsal und Dunkel ein bisschen mehr Licht.
Kein quälend Verlangen, ein bisschen Verzicht.
Und viel mehr Blumen, solange es geht.
Nicht erst an Gräbern, da blühn sie zu spät.

Ziel sei der Friede des Herzens, besseres weiß ich nicht.

(Peter Rosegger 1843-1918)

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Johann Strauss Sohn: „An der schönen blauen Donau“, Walzer, op. 314
Die Programmfolge des diesjährigen Neujahrskonzertes wurde mit dem Walzer, op. 314 „An der schönen blauen Donau“ von Johann Strauss Sohn vom Alt-Wiener Strauss-Ensemble unter Leitung von Ralph Kulling eröffnet.


Johann Strauss Sohn: „Im Sturmschritt“, Polka schnell, op. 348
Wie Dr. Eduard Strauss dazu ausführte: Die Polka schnell „Im Sturmschritt“ wurde von Johann Strauss Sohn arrangiert nach Motiven seiner ersten Oper „Indigo und die vierzig Räuber“ aus dem Jahr 1871. Es war üblich und mit den Verlegern vereinbart, Arrangements aus den Operettenmotiven zu liefern. Das förderte die Bekanntheit der Operetten und brachte Komponisten und Verleger mehr Geld. Uraufgeführt wurde diese Polka durch meinen Urgroßvater Eduard Strauss I. bei einem Maifest am 19. Mai 1871 im k. k. Volksgarten.

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Johann Strauss Sohn: „Neuer Csárdás zur Operette „Die Fledermaus“
Da der beliebten Mezzosopranistin Marie Renard die Höhenlage des berühmten „Csárdás“ in der „Fledermaus“ zu anstrengend war, komponierte Johann Strauss Sohn 1897 für sie einen „Neuen Csárdás“, der von der charmanten Mezzosopranistin Maria Theresia Ullrich beim diesjährigen Neujahrskonzert im Anschluss vorgetragen wurde.

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Johann Strauss Sohn: „Ja das Schreiben und das Lesen“
aus der Operette „Der Zigeunerbaron“

Gleich nach Frau Ullrich stellte sich der zweite Gesangssolist Kammersänger Michael Ebbecke mit dem Auftrittslied des Zsupan aus der Operette „Der Zigeunerbaron“ vor und bekannte, dass das „Schreiben und das Lesen nie sein Fach gewesen ist“.

„Der Zigeunerbaron“ war die zehnte Operette von Johann Strauss Sohn und wurde von ihm selbst am 24. Oktober 1885, dem Vorabend seines 60. Geburtstages, im Theater an der Wien aus der Taufe gehoben. Alexander Girardi feierte eben als jener Schweinezüchter Zsupan wieder einmal Triumphe, und am 25. Oktober konnte man in der Zeitung „Die Presse“ in Wien lesen: „Der Meister hat sich zu den künstlerisch reineren Formen der, man könnte fast sagen, seriösen Operetten hindurchgerungen, von welcher aus nur ein kurzer Schritt zur Oper zu machen übrig bleibt“.


Johann Strauss Sohn freilich sollte für diesen „kurzen Schritt“ noch über sechs Jahre brauchen, nämlich bis zum 1. Januar 1892, der Premiere seiner mäßig erfolgreichen Oper „Ritter Pásmán“.


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Johann Strauss Sohn: „Egyptischer Marsch“, op. 335
Dr. Eduard Strauss erläuterte dazu: Der eben gehörte „Egyptische Marsch“ von Johann Strauss Sohn hat einen Bezug zu Pawlowsk bei St. Petersburg, obwohl der Titel dies nicht vermuten lassen würde. Der Marsch entstand nämlich dort im Jahre 1869 und wurde auch dort unter dem Titel „Tscherkessenmarsch“ an Johanns Namenstag am 24. Juni uraufgeführt. Tscherkessen sind kaukasische Bergstämme. Manche bringen das Werk wegen des letztlich gängigen Titels mit der bevorstehenden Eröffnung des Suez-Kanales in Verbindung.

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Emmerich Kálmán: „Gräfin Mariza“: „Komm mit nach Varasdin“
Die Operette „Gräfin Mariza“ – Premiere Anfang 1924 – war Emmerich Kálmáns zweiter, sehr erfolgreicher Versuch, sich als Meister des „ungarischen Genres“ zu profilieren. Kammersänger Michael Ebbecke und Maria Theresia Ullrich erfreuten das Publikum daraus mit dem Duett: „Komm mit nach Varasdin“.

Johann Strauss Sohn: „Künstler-Quadrille“, op. 201
Zweimal hat Johann Strauss Sohn den Künstlern Wiens eine Quadrille gewidmet; einmal im Jahre 1849 eine heute so gut wie völlig vergessene Komposition, dann im Fasching 1858, für den Künstlerball am 2. Februar im Sophien(bad)saal, die zweite, bekanntere „Künstler-Quadrille“ opus 201.

Johann Strauss Sohn schont dabei nichts und niemanden: unbarmherzig, fast respektlos aber durchaus formal gekonnt presst er Melodien berühmter Komponistenkollegen in den starren Rahmen der Quadrille. Felix Mendelssohn wird mit Mozart umrahmt, Carl  Maria von Weber mit Chopin verbunden, Paganini mit Meyerbeer; auch  Schubert und Beethoven werden gnadenlos verarbeitet. Strauss ist von der Fachkritik für diesen unbekümmerten Umgang mit den Meisterwerken gerügt worden. Es hat ihm nicht viel ausgemacht und vergnüglich ist das Werk damals wie heute, das dann als letztes Werk vor der Pause erklang.


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Gioacchino Rossini (1792-1868): Ouvertüre zu „Die Italienerin in Algier“
1813 erhielt der 21-jährige Gioacchino Rossini den Auftrag des Teatro San Benedetto in Venedig, eine abendfüllende komische Oper zu komponieren, wusste dazu Dr. Eduard Strauss zu berichten.

Mit Angelo Anellis bereits 1808 von Luigi Mosca vertontem Libretto L'italiana in Algeri griff Rossini auf einen Stoff zurück, der einerseits von der exotischen Legende der Roxelane, Lieblingssklavin des osmanischen Sultans Soliman II., inspiriert, andererseits noch stark an den Traditionen und Figuren der Commedia dell'arte orientiert war.


Rossini strickte aus der Geschichte um die emanzipierte Italienerin eine temporeiche 2-aktige Komödie mit viel Situationskomik, burlesken Höhepunkten und pulsierendem musikalischem Esprit. Die Figuren der Italiana in Algeri geraten nicht nur unentwegt in den Strudel der szenischen Ereignisse, sondern auch immer wieder in den Sog der turbulenten Rossinischen Finali, aus dessen unaufhaltsamer Motorik es kein Entrinnen gibt. Ihren Ruhm verdankt die "Italienerin in Algier" unter anderem der eben gehörten Ouvertüre.


Rossini war auch entscheidend für die musikalische Entwicklung von Johann Strauss Vater.


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Johann Strauss Sohn: „Tausend und eine Nacht“, Walzer op. 346
Nach jahrelangem Drängen seiner ersten Frau Henriette (Jetty) – einer sehr erfolgreichen Sängerin – fand sich Johann Strauss Sohn angeregt durch Offenbach mit 46 Jahren im Jahre 1870 erstmals bereit, die Komposition einer Operette zu wagen, denn die Operetten brachten schon damals eine doppelte Verdienstmöglichkeit für den Komponisten: Neben den Aufführungsgeldern für jede Aufführung – später  Tantiemen genannt – konnte man einzelne Nummern aus den Operetten quasi „herausziehen“ und den Verlegern entsprechend instrumental adaptiert als selbständige Tanzkompositionen verkaufen. Das trug auch zur Popularisierung der Operettenmelodien und damit der Operetten selbst erheblich bei. Gleich aus seiner ersten Operette „Indigo und die vierzig Räuber“ „gewann“ Johann Strauss Sohn in der beschriebenen Weise etwa den herrlichen Walzer „Tausend und eine Nacht“ (opus 346).

Wie der Moderator des 25. Coburger Neujahrskonzertes, Dr. Eduard Strauss, in seinen Ausführungen erläuterte: „Stolz kann ich berichten dass im Rahmen des von mir initiierten „Europäischen Johann Strauss Bühnenwerke Festivals  - EJFS“ am 11. Dezember 2009 eine beispielgebende, erfolgreiche Aufführungsserie dieser Operette in Banska Bystrica in der Slowakei begann, die den faszinierenden Melodienreichtum aufzeigte und bewies, dass das Libretto gar nicht so töricht ist, wie immer behauptet.

Im Jahre 1906 erstellte Ernst Reiterer eine Neufassung  des Werkes unter dem Namen des berühmt gewordenen Walzers „Tausend und eine Nacht“. Reiterer arrangierte durch Bearbeitung zweier gegensätzlicher Motive geschickt ein „Intermezzo“, das auch in den Konzertsälen Wiens und später der ganzen Welt  erklang. Ich selbst habe zu diesem Intermezzo eine besondere, persönliche Beziehung, hat es doch mein Vater Eduard Strauss II., der letzte Berufsmusiker meiner Familie, besonders schön dirigiert! Nach seinem unerwartet frühen Tod am 6. April 1969 erklang es dann auch bei seinem Begräbnis als ergreifende Trauermusik.

Dieses Intermezzo lieferte die Melodie zu dem „Vergessenen Lied“, das wir alle nicht vergessen wollen.“ Im Anschluss wurde es von Maria Theresa Ullrich (Mezzosopran) vorgetragen!

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Johann Strauss Sohn: „Banditengalopp“, op. 378
„Prinz Methusalem“ war die fünfte Operette von Johann Strauss Sohn aus dem Jahr 1877. Im Rahmen des heute schon genannten von mir initiierten „Europäischen Johann Strauss Bühnenwerkefestivals (EJSF)“ brachte die Staatsoperette Dresden – sehr mutig und verdienstvoll! – ab 23. April 2010 eine Neuproduktion dieser Operette!

Der eben gehörte „Banditengalopp“,  op. 378 wurde nach Motiven des „Prinz Methusalem“  zusammengestellt.


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Carl Millöcker: „Dunkelrote Rosen“ aus „Gasparone“
Carl Millöcker seit 1864 Theaterkapellmeister in Graz, Wien und Pest kam 1869 als Kapellmeister an das Theater an der Wien und bekleidete diese Stelle bis 1883.

Während dieser Zeit schrieb er eine Reihe von Operetten darunter „Gräfin Dubarry“, „Apajune, der Wassermann“ (1880), den wohl berühmtesten „Bettelstudenten“ (1881), aber auch die Operette „Gasparone“ aus 1884 aus der unser Gesangssolist, der Bass Kammersänger Michael Ebbecke „Dunkelrote Rosen“ präsentierte.


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Johann Strauss Sohn: „Tratsch-Tratsch-Polka“ schnell,  op. 214
Über Einladung der russischen Zarskoje Selo Eisenbahn Gesellschaft gastierte Johann Strauss Sohn in Pawlowsk etwa 30 Kilometer von St. Petersburg entfernt alljährlich in den Sommersaisonen der Jahre 1856 bis 1865.

Die Eisenbahngesellschaft hatte vor und nach ihm schon andere Kapellmeister für Konzerte im Musikpavillon am Ende dieser Bahnstrecke engagiert, um mehr Fahrgäste anzulocken, aber keiner war je so erfolgreich wie Johann Strauss Sohn. Für seine Entwicklung waren diese Pawlowsker Sommer sehr wichtig. In persönlicher Hinsicht ist die Adressantin von 100 Liebesbriefen von Johann Strauss Sohn, die junge, musikalisch hochbegabte russische Adelige Olga Smirnitskaja zu erwähnen, deren interessantes Leben Dr. Thomas Aigner, der Leiter der Musiksammlung der „Wienbibliothek im Rathaus“ und ein Vorstandsmitglied des „Wiener Instituts für Strauss-Forschung“ in seinem gleichnamigen, 1998 erschienenen Buch nachzeichnet.


Und musikalisch ist der Einfluss der russischen Musiktradition des 19. Jahrhunderts zu nennen, der in vielen Kompositionen dieser Zeit spürbar wird. Von einem dieser auch künstlerisch wichtigen Sommergastspiele in Pawlowsk heimgekehrt brachte sich Johann Strauss Sohn im November des Jahres 1858 den Wienern, unter anderem, mit der frischen eben gehörten Polka schnell „Tritsch-Tratsch“ in Erinnerung.


Die Anregung zum Titel  dieses Werks bildete einerseits eine Posse Johann Nestroys aus dem Jahr 1833 „Der Tritschtratsch“ andererseits die ab 1858 in Wien mit Bezug auf Nestroys Posse erscheinende  „Humoristisch-satyrische Wochenschrift Tritsch Tratsch“. Das Blättchen erschien aber nur in zwei Jahrgängen.


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Franz Lehár: „Lippen schweigen“ aus der Operette: „Die lustige Witwe“
Der junge Franz Lehár, Sohn eines Militärkapellmeisters, kam 1899, im Todesjahr von Johann Strauss Sohn, nach Wien. Einer seiner ersten Erfolge war die Operette „Der Rastelbinder“ (1902) am Carltheater. Obwohl sich Lehár auch auf anderen Gebieten der Musik versuchte – er schrieb auch Lieder, symphonische Werke und sogar Opern –, sollte die Operette die große Domäne des Komponisten bleiben.

Unter anderem schuf er durch Einführung des Tanzliedes die neue Tanzoperette. Seinen charakteristischen, oft slawisch gefärbten Melodien mit lyrischen Partien standen exotisch-orientalische Sätze gegenüber. Der so entstandene Stil Lehárs fand auch international bald großen Anklang. Der früh einsetzende Erfolg seiner Operetten ermöglichte es ihm, der Komposition und dem Dirigieren seiner Werke zu leben. Sein  Einfallsreichtum, die Fähigkeit, Menschen und Situationen zu charakterisieren, sein klanglich-handwerkliches Können und die dramaturgische Disposition haben seine Werke bis heute als große Meisterwerke erhalten. Eines davon ist ohne Zweifel „Die lustige Witwe“ aus dem Jahr 1905.


Mit dem Duett „Lippen schweigen“ verabschiedeten sich Maria Theresia Ullrich und Kammersänger Michael Ebbecke unter großem Beifall vom diesjährigen Konzertpublikum im Kongresshaus Rosengarten in Coburg.


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Johann Strauss Sohn: „Kaiser-Walzer“, op. 437
Der französische Komponist Emile Waldteufel und Johann Strauss Sohn schlossen im Herbst des Jahres 1889 einen Vertrag, in dem sie sich verpflichteten, in der neu eröffneten Konzerthalle namens „Königsbau“ in Berlin eine Woche lang Konzerte zu geben.

Vor seiner Abreise sandte Johann seinem neuen Berliner Verleger Fritz Simrock einen Walzer, den er "Hand in Hand" nannte. Dieser Titel bezog sich auf einen Trinkspruch des Österreichischen Kaisers Franz Joseph I., den dieser kurz zuvor aus Anlass seines Besuches beim Deutschen Kaiser Wilhelm II. ausgebracht hatte. Und wenn man genau hinhört, wird man feststellen, dass dieses Werk tatsächlich martialisch-preußische mit gemütlich-wienerischen Elementen verbindet.


Die Uraufführung fand am 21. Oktober 1889 in Berlin statt. Paul Lindau schrieb darüber in einem Brief an Strauss, dass in den ersten 16 Takten mehr wahre Musik stecke als in vielen Opern die Abende füllten aber das Herz leer ließen.


Mit Simrock verband Johann Strauss Sohn ab diesem Werk bis 1893 – wie es der österreichische Straussforscher Professor Franz Mailer ausdrückte – eine von Johannes Brahms „gekuppelte, unvernünftige Vernunftehe“. Vermutlich änderte der gewiefte Verleger Simrock den von Strauss gewählten Titel in einen solchen, von dem er meinte, dass sich beide Kaiser angesprochen und geschmeichelt fühlen würden und nannte das Werk schlicht „Kaiserwalzer“.


Zugaben
Die Gesangssolisten und die Musiker wurden erst nach den Zugaben:
W.A. Mozart     „Là ci darem la mano“  aus "Don Giovanni",  Leroy Anderson:  “The Typewriter” und dem Radetzky-Marsch, der natürlich bei keinem Neujahrskonzert fehlen darf, von der Bühne mit stehenden Ovationen verabschiedet.

Doch erst mit der Polka schnell, op. 73: „Auf und davon“ von Eduard Strauss war das hervorragende Konzert wieder einmal viel zu schnell zu Ende.


Quelle: Moderation Dr. Eduard Strauss, Wien
Alle Fotos: 2012 © Ulrich Göpfert


Alle Arrangements: Arthur Kulling,
Verlag: Musik & Video-Verlag, Stuttgart, Germany
Leitung: Ralph Kulling, Gründer: Arthur Kulling

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