Kirchweih in früheren Zeiten

Kirchweih in früheren Zeiten
So wurde die Kirchweih in den 50er und 60er Jahren des vorherigen
Jahrhunderts in Dörfles-Esbach gefeiert…

Ein Beitrag von Ulrich Göpfert

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Das Foto zeigt die Kirchweihmusikanten beim „Ständela“
in der Neustadter Straße in Dörfles-Esbach

2011 © Ulrich Göpfert

Dörfles-Esbach
In diesem Jahr feiert die Gemeinde Dörfles-Esbach vom Samstag, 08. Oktober bis Montag 10. Oktober 2011 ihr Kirchweihfest.

Kirchweih wird seit dem Mittelalter als religiöses Fest anlässlich der Weihe einer christlichen Kirche gefeiert. Aber längst nicht überall ist dieser Tag im Herbst auch der Jahrestag der Weihe des jeweiligen Gotteshauses. Praktisch-pragmatische Gründe haben diesen Feiertag hervorgebracht. Bis 1866 wurde in Bayern in Städten und Dörfern Kirchweih noch gefeiert, wie sie gefallen ist: jedes Jahr am Datum der Weihe, in der Regel am Sonntag vor- oder nachher. Und eben nicht nur am Sonntag, sondern auch schon mal bis Mittwoch. Und da die Bevölkerung auch die Kirchweihfeste der Nachbarorte mitgefeiert hat, ist das der Obrigkeit dann zuviel geworden: die Dorfkirchweih wurde abgeschafft, bisweilen gar verboten. Dafür gab es noch die zentral angeordnete, einheitliche Feier am dritten Sonntag im Oktober.

Heute spielt der religiöse Kontext oft eine untergeordnete Rolle. Wegen der früher weiten Verbreitung der Kirchweih als auch ihrer jeweiligen lokalen Besonderheiten haben sich in den regionalen Dialekten verschiedene Bezeichnungen für die Kirchweih eingebürgert, wie z.B.: Kerwa bzw. Kärwa in Franken .

In seinen „Erinnerungen“ schreibt der Autor Ulrich Göpfert, wie er in Dörfles-Esbach dieses Kirchweihfest in den 50iger und 60iger Jahren des vorherigen Jahrhunderts erlebt hat:
„Kirchweih“
, das war für uns Kinder früher immer eine Attraktion, auf die wir uns das ganze Jahr gefreut haben. Bereits in der Wochenmitte hat die Mutter angefangen und hat Krapfen, verschiedene Kuchen auf den großen Backblechen – teilweise noch im Dorfbackofen – gebacken. Natürlich haben wir den Ort der Lagerung schnell ausfindig gemacht und uns mit Kostproben – sehr zum Leidwesen der Mutter – bereits reichlich vor dem Festbeginn versorgt.

Gut erinnern kann ich mich an den Kirchweihsamstag

Da war es üblich, dass „Kirchweih-Ständela“ vor den Häusern des Dorfes von den Kirchweihmusikanten gespielt wurden. Mit großem Eifer waren wir Kinder immer bei den Musikanten dabei und ewigen Streit gab es immer um die „große Trommel“, die auf einem Gestell mit Rädern montiert war, wer sie und wie lange von uns Kindern fahren durfte. Wenn die Kirchweihmusikanten tüchtig aufgespielt hatten, wurden sie natürlich mit Schnaps und Bier, Geld und Brotzeiten von den Hausbewohnern bestens versorgt. Bei den letzten Häusern des Dorfes, ließ allerdings die Qualität der musikalischen Darbietungen bereits sehr zu wünschen übrig, denn die Wirkung des reichlichen Alkoholgenusses war nicht zu überhören und zu übersehen.

Am Kirchweihsonntag
ist dann, wie wir Kinder sagten „die bucklige Verwandtschaft“ wie eine Heimsuchung bei uns zuhause eingefallen. Wir verdünnisierten uns dann und brachten unser Kirchweihgeld, das wir vorher bei unseren Eltern und Großeltern erbettelt hatten, „unter die Leut`“, was heißt, wir gaben es bei den kleinen Fahrgeschäften und der Schießbude oder für Süßwaren aus, denn an den Kirchweihtagen waren zur damaligen Zeit immer Schausteller vor dem Wirtshaus stationiert, was uns Kinder bereits schon am Freitag – „beim Aufbau der Lustbarkeiten“ auf den Plan rief. Es war vor allem die Schaustellerfamilie Scholz aus Scheuerfeld, die mit Kinderkarussell, Losbude, Kettenkarussell und Schießbude in Dörfles-Esbach vertreten war.

Wenn dann das Kinderkarussell fertig aufgestellt war, „schlug unsere Stunde“
Wir halfen dann mit beim Putzen der einzelnen Wagen, Pferde, Motorräder und, und, und. Für unsere Mithilfe bekamen wir dann Freikarten für das Kettenkarussell (…so ganz am Finanzamt vorbei!), auf dem wir es danach so toll trieben, d.h. die Ketten verdrehten, unseren Nachbarn am Sitz hielten und danach losließen, dass wir dachten, wir landen im Garten von Rudi Schultheiß, der gleich nebenan wohnte. Dabei vergaßen wir, dass die Mutter zu Hause vergeblich auf unsere Mithilfe bei den Kirchweihvorbereitungen wartete.

Ich habe noch heute den Geruch der gebrannten Mandeln in der Nase und höre die Schlagermusik von damals noch deutlich – Elvis, Freddy Quinn, Lolita, Peter Kraus und wie sie alle hießen – „Erinnerungen an eine schöne Zeit in meiner Kindheit.“

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