Peinlichkeiten im Callenberger Forst

Peinlichkeiten im Callenberger Forst
Ein Beitrag von Edzard Klapp

Von Herrn Edzard Klapp aus Steinenbronn erhielt ich vor einigen Tagen diesen Beitrag. Ein herzliches Dankeschön dafür!

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Schloss Callenberg
Foto: 2013 © Ulrich Göpfert

Seit Jahrhunderten ist Schloss Callenberg im Besitz der herzoglichen Familie Sachsen-Coburg und Gotha. Tauchen Sie ein in die faszinierende Geschichte von Schloss Callenberg.  1122-1313 | 1588-1826 | 1831-1945 | Seit 1998 | Nach umfangreichen Restaurierungsmaßnahmen wurde der ehemalige Sommersitz der Coburger Herzöge wiederhergestellt. Man sieht, die Schlossherren von Callenberg haben den Mut zur Lücke.

In die unerwähnt gebliebene Zeitspanne nach 1945 fällt die vorübergehende Nutzung des Schlosses Callenberg als Altersheim, betreut von Diakonissen aus Neuendettelsau.

In den Räumlichkeiten herrschte qualvolle Enge

Ich habe das selbst gesehen, wenn ich damals meine Großmutter dort besucht habe. Sie teilte ein Zimmer im Dachgeschoss mit vier weiteren Frauen, abgelebte Mütterchen mit Kopftüchern und alles andere als geistig rege, Donauschwaben aus der Batschka. Wer diesem zusammengepferchten Dasein zu entkommen vermochte, der begab sich in die Wälder, in den Callenberger Forst.

Dort sollen sich sogar gelegentlich Insassen des Heims ihrer Kleider entledigt haben und nackt zu sehen gewesen sein. Omi war entrüstet. Wieso sollte ich ihr widersprechen? Heute aber, wenn ich es recht bedenke, vermag ich in diesem Treiben keinen Gesetzesverstoß zu erkennen. Wenn es wirklich zutrifft, dass Männlein und Weiblein aus dem Schloss Callenberg, so oft es sich nur machen ließ, der freien Natur ihre nackten Körper darboten, sollte man ihnen sogar eher Respekt bezeugen. Ob sie sich so gefühlt haben wie es der Maler Lucas Cranach der Ältere auf seinem Gemälde «Das Goldene Zeitalter» vorführt?

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«Das Goldene Zeitalter»,
Lucas Cranach der Ältere,
Foto: 2013 © Gemäldegalerie Oslo (Ausschnitt)

Wie ein Kulissenteil aus dem Theaterfundus liegt da ein wuchtiger Felsbrocken, aus dem, anatomisch korrekt (wenn wir an die Position der Uretra denken), über der dunklen Höhle ein Quell entspringt. Sex, so wird uns versichert, sei doch das Natürlichste der Welt.

Heute lebt vermutlich keiner der Heimbetreuer mehr, der an dem munteren Treiben der Nacktgeher damals – es hat sich zwischen 1946 und 1949 abgespielt – Anstoß genommen hat. Empörung entsteht nicht von selber, Empörung wird erzeugt und weitergegeben.

Das erwähnte Altersheim ist später nach Lützelbuch verlegt worden. Dort hat meine Großmutter Susanne Lehnert bis zuletzt (gestorben 1969, fast 90 Jahre alt) gelebt.

Weitere Beiträge von Edzard Klapp auf meiner Internetseite:

Aus der Vergangenheit
Erinnerungen: Kindheit in Coburg

Aus der Vergangenheit
Geschichten aus der Schulzeit


Quellenhinweis:
Edzard Klapp, Vaihinger Str. 19, 71144 Steinenbronn,
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