Eight Songs for a Mad King und Infinito nero

Landestheater Coburg
Eight Songs for a Mad King und Infinito nero
Zwei Operneinakter von Peter Maxwell Davies und Salvatore Sciarrino
Auf der Bühne in der Reithalle

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Foto: 2011 © Landestheater Coburg/Andrea Kremper

Der englische König George III. und die heilige Maria Maddalena de’ Pazzi haben etwas gemeinsam: den Wahnsinn! Während George an einer Stoffwechselkrankheit laboriert, die seine Sinne verwirrt und ihn mit Flüssen, Bäumen oder Vögeln reden lässt, lebt er gefangen in seinen Träumen, Fantasiewelten und Hirngespinsten, herausgerissen aus allem Alltäglichen und zurückgezogen von allem Irdischen. Vom Irrsinn seines Protagonisten angeregt, schuf der britische Komponist Peter Maxwell Davies mit seinem Librettisten Randolph Stow mit „Eight Songs for a Mad King“ (1969) einen Operneinakter, der das zerstörte Innenleben eines Menschen ins Zentrum setzt. Und die Musik wird dem Wahnsinn in jeder Hinsicht gerecht. Die Gesangspartie gleicht einer „tour de force“, verlangt zahlreiche vokale Effekte im Umfang von drei Oktaven und ein ungeheures Maß an Virtuosität: Vom Singen bis hin zum Sprechen, Schreien, Heulen und Bellen.

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Foto: 2011 © Landestheater Coburg/Andrea Kremper

Zwischen Wahnsinn und mystischer Offenbarung bewegt sich Salvatore Sciarrinos Kammeroper „Infinito nero“ („Das unendliche Schwarz“), die 1998 als Auftragskomposition bei den Wittener Tagen für Neue Kammermusik uraufgeführt worden ist. Das vom Komponisten selbst verfasste Libretto beruht auf Texten der florentinischen Mystikerin Maddalena de’ Pazzi, die in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts als Nonne in einem Karmeliter-Orden lebte. Ihre ekstatischen Visionen, die der mystischen Vereinigung mit Gott dienten, hatten eine große erotische Komponente und wurden durch Selbsterniedrigung und -kasteiung hervorgerufen. Es sind im Trancezustand visionierte Horrorlustbilder vom Blut des gekreuzigten Jesu, von heiligen Wunden, in denen sie sich verliert. Sie hat ihre Texte nicht selbst niedergeschrieben, es sind Wortkaskaden, die anfallsartig aus ihr herausbrachen. Acht Novizinnen standen dabei um sie herum, vier versuchten in den nachfolgenden Phasen des Schweigens ihre Worte zu wiederholen, während die vier anderen sie notierten.

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Foto: 2011 © Landestheater Coburg/Andrea Kremper

„Infinito nero“ zeigt die historische Figur der Maria Maddalena de’ Pazzi bei einem ihrer ekstatischen Erlebnisse, der Zuschauer glaubt dabei einer der Visionen der italienischen Mystikerin direkt beizuwohnen. Sciarrinos Musik bewegt sich dabei dynamisch in einem Bereich des kaum noch wahrnehmbaren, aus Atem- und mysteriösen Instrumentengeräuschen entwickelt sich ein diffuser Klangstrom, der eruptiv von den heraus gestoßenen Wortfetzen der Sängerin unterbrochen wird, die sich in Heftigkeit und Länge zunehmend steigern. Nach jedem dieser Ausbrüche reduziert sich die Musik wieder in ein langes, gespanntes, von den Instrumenten kaum wahrnehmbar durchsetztes Schweigen.

Wahnsinn und Blut sind die zentralen Themen in Sciarrinos Werken. „Wir brauchen das in der Gegenwelt der Kunst“, so der Komponist. „Wir brauchen den Wahnsinn des Blutes, um nicht blutig im wirklichen Leben zurückzubleiben. Das Blut der Tragödien reinigt uns.“ Sciarrino bezeichnet es als „La follia del sangue“, den „Wahnsinn des Blutes“.

Mitwirkende

Musikalische Leitung
Peter Tilling

Inszenierung
Birgit Kronshage

Ausstattung
Susanne Wilczek

Dramaturgie
Susanne von Tobien

George III.
Rainer Scheerer

Maddalena de'Pazzi
Verena Usemann


Vorstellung
20.03.2011 - 20:00 Uhr

Sprachauswahl

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