Historisches Verbrechen

Historisches Verbrechen
Der Sechsfach-Mord von Hinterkaifeck nahe Schrobenhausen

01.jpg

Ein einfaches steinernes Marterl, fast verloren mitten in Wald und Wiesen, nordöstlich von Schrobenhausen - es weist auf ein Verbrechen hin, das sich in der Nacht vom 31. März auf den 1. April 1922 ereignete
2007 © BR

Ein Marterl ist das Einzige, was nahe Schrobenhausen noch an ein grausiges Verbrechen erinnert: Vor über 80 Jahren wurden auf dem Einödhof Hinterkaifeck sechs Menschen brutal ermordet. Der Hof ist längst abgerissen, die Täter bis heute nicht ermittelt, der Fall zu den Akten gelegt. Nur einen lässt der Mord nicht los: Kriminalkommissar Konrad Müller ermittelt noch - im Ruhestand.

02.jpg
Ehemaliger Einödhof Hinterkaifeck in der Nähe von Schrobenhausen

2007 © BR

Auf dem Hof Hinterkaifeck wurden sechs Menschen brutal ermordet. Vom 63-jährigen Altbauern bis zum zweieinhalbjährigen Buben wurden die Bewohner des Hofes bestialisch erschlagen. Es war eine Tat mit Vorzeichen. Tragischerweise wurden diese von den Bewohnern missachtet - nur eine Magd nahm die Zeichen ernst und rettete so ihr Leben.

Die Vorzeichen
Einen Tag vor der Tat machte der Austragsbauer eine seltsame Entdeckung: Im Schnee führten Fußspuren vom Wald zu seinem einsamen Hof hin - eine vom Haus wegführende Spur konnte er aber nicht entdecken. Der als eigenbrötlerisch bekannte Bauer erzählte zwar zwei Nachbarn von seiner Beobachtung, die Gendarmerie schaltete er aber nicht ein. Dass etwas "nicht stimmte", hätte er aber längst ahnen können: Immer wieder gab es Einbruchspuren, es tauchten Zeitungen auf, die auf dem Hof gar nicht gelesen wurden und schließlich fehlte sogar der einzige Hausschlüssel. Ein halbes Jahr vor der Tat kündigte die junge Magd, weil ihr die Situation unerträglich geworden war. Sie erzählte, dass es auf dem Hof spuke.

03.jpg
Das Originale Tatortfoto zeigt schemenhaft die Toten im Stall

2007 © BR

Ihr Gefühl hatte die Magd gerettet
Ihre Nachfolgerin wurde brutal mit einer Kreuzhacke ermordet - genauso wie Bauer und Bäuerin, die verwitwete Tochter und deren zwei Kinder. Da im Stall eine Kuh brüllte, rannte einer nach dem anderen hinaus, um nach dem Tier zu sehen. Doch der Stall war die Endstation für die Bauersleute, die Tochter und ein Enkelkind.

04.jpg
Das Originale Tatortfoto zeigt die Kammer, in der Magd und Kleinkind umkamen

2007 © BR

Die Magd fand man tot in der Kammer, das Kleinkind erschlagen im Stubenwagen. Erst vier Tage nach dem Mord wurden die Leichen, die von den Tätern sorgsam zugedeckt worden waren, entdeckt.

05.jpg
Originales Tatortfoto

Das Ende: Kein Leben blieb auf dem Hof zurück
2007 © BR

Problematische Ermittlungen
Raubmord, so hieß das Ergebnis der damaligen Polizeiermittlungen. Doch dieses Urteil war vorschnell, denn schließlich blieben große Geldsummen im Haus unangetastet. Die Ermittlungen liefen ohnehin äußerst unglücklich - so kamen zum Beispiel die Kommissare aus der Stadt offensichtlich mit den Landbewohnern nicht zurecht.

06.jpg
Zeitungsbericht

Die Meldungen zum Fall wurden von Woche zu Woche abenteuerlicher - bis zur Gegenwart
2007 © BR

Für die Ergreifung der Täter wurde die atemberaubende Summe von 100.000 Reichsmark ausgesetzt - doch auch wenn unterschiedlichste Spuren verfolgt wurden - der Mörder konnte nie dingfest gemacht werden. Die letzte Vernehmung im Fall Hinterkaifeck fand 1986 statt. Das Anwesen wurde bereits ein Jahr nach der Tat abgerissen, da niemand mehr in diesen Mauern leben wollte.

07.jpg
Die von Konrad Müller nachkonstruierten Mordwaffe

2007 © BR

Letzter Ermittler: Konrad Müller
Doch Kriminalkommissar Konrad Müller will sich mit dem ungelösten Mordfall nicht abfinden: Über 20 Jahre lang hat er sich beruflich mit dem Fall, den er als "ein dunkles Kapitel deutscher Kriminalgeschichte" bezeichnet, beschäftigt. Um Licht ins Dunkel zu bringen, ermittelt er auch jetzt noch in Sachen Hinterkaifeck - mit 69 Jahren und längst im Ruhestand. Sein gesammeltes Material füllt mittlerweile acht dicke Aktenordner. Seinen Ermittlungen widmet er viel Zeit - und die Geschichte hat Müller so gefangen, dass er sogar ein Lied zum Fall komponierte, ein Bild vom Hof malte und das Tatwerkzeug - eine sehr spezielle Hacke - selbst nachgebaut hat. Und: Mittlerweile hat er auch einen Verdacht. Doch darüber spricht er nicht - aus Rücksicht auf die Nachkommen der möglichen Täter.

08.jpg
Konrad Müller hat ein selbst gemaltes Aquarell von Hinterkaifeck

2007© BR


Ein Lied zu Hinterkaifeck
Text von Konrad Müller

 Ein Acker liegt am Waldesrand,
wo einstmals Hinterkaifeck stand.
Der Wind trägt das Geschrei der Armen,
erzählt vom schlimmsten Mord vor Jahren.

Es war im Jahre 22,
Blutschande lag am Einödhaus.
Als Ende März ein Schneesturm tobte,
da wurd´ ein Leichentuch daraus.

Ein loses Rind brüllt in der Nacht
und lockt die Opfer aus der Ruh´.
Sechs Menschen werden umgebracht,
der Tod schlägt unbarmherzig zu.

Die Schreckenstat bleibt ungesühnt.
Kein Stein vom Hof als Zeuge bleibt.
kein Mensch hat je solch Straf´ verdient,
der Wald steht schwarz und schweigt.

 

Quellenhinweis: 2007 © Bayerischer Rundfunk – Land und Leute, la Vita

Copyright © 2019 Ulrich Göpfert. Alle Rechte vorbehalten.
Joomla! ist freie, unter der GNU/GPL-Lizenz veröffentlichte Software.