Geschichten aus der Schulzeit in Coburg

Geschichten aus der Schulzeit in Coburg
Von den Bewohnern auf Gut Hambach bei Creidlitz und einem Gymnasialprofessor für Griechisch, der sich für das Leben als Clochard entschieden hatte

Von Edzard Klapp

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Das Casimirianum in Coburg

2008 © Ulrich Göpfert

Beim Nachsinnen über meine Kindheit in Coburg fällt mir noch ein:
Auf dem Casimirianum, Beginn 1947, waren es zwei Parallelklassen, in der einen waren die aus der Stadt wohnhaften Schüler protestantischer Konfession, in der anderen die Katholiken und Fahrschüler zusammengefasst. Man hätte es nicht besser machen können, zwei völlig unterschiedliche Gruppen zu bilden. Vor allem die aus den Dörfern anreisenden Fahrschüler waren so "gänzlich anders".

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Die Aufnahme zeigt das ehemalige Gut Hambach bei Creidlitz

2008 © Ulrich Göpfert

Einer davon war Heino Hassenstein, mit ihm habe ich mich angefreundet, er lebte auf Gut Hambach bei Creidlitz. Alles Land, was man von Hambach aus sehen konnte, habe einstens den Herren "von Hassenstein" gehört. Auf den Adelstitel hatten sie irgendwann einmal verzichtet, um der lutherischen Konfession treu bleiben zu dürfen. Die Umstände, die dazu führten das Macht und Besitz und wohl auch Ansehen, letzteres sogar in wörtlicher Bedeutung, schwanden, blieben zwischen uns unerörtert.

Heinos Vater muss wohl im Verlauf einer unglücklichen Liebesgeschichte keinen Ausweg mehr gesehen haben als zusammen mit seiner Geliebten im Main den Tod zu suchen. Da der Main da und dort tiefe Gumpen aufweist, hat man damals lange mit Stangen nach den Leichen der beiden suchen müssen. Heinos Großvater, auch aus dem Geschlecht der Hassensteins, war Gymnasialprofessor für Griechisch gewesen. Er übte diesen Beruf schon seit langem nicht mehr aus, er hatte sich vielmehr für das Leben als Clochard entschieden und hatte eine Strohschütte in der Hambacher Scheune als Lagerstätte. Gelegentlich kam er nach Lützelbuch, wo er mit einigen Bewohnern des Altersheims Kontakt hatte. Die resoluten Diakonissen ergriffen ihn dann hin und wieder und steckten ihn ungeachtet seiner Proteste in die Badewanne.

Heinos Mutter stammte aus Kiel, sie ist dann eines Tages mit ihren Söhnen, Heino hatte noch einen jüngeren Bruder, wieder nach Kiel verzogen. Ich habe Heinos Spur leider aus den Augen verloren.

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Brunnenanlage im Gut Hambach bei Creidlitz

2008 © Ulrich Göpfert

Unvergessen sind mir aber die Hambacher Kirschbäume, wir kletterten darin herum und schlugen uns die Bäuche voll. Oder der Hambacher Teich, mitten im Gehöft, so flach, dass man darin waten konnte. Als Wasserfahrzeug benutzten wir einen Backtrog, in dem man nur im Schneidersitz Platz hatte, obendrein auch noch leck, weshalb man immer wieder aussteigen musste, um das durch die Ritzen eingedrungene Wasser auszukippen.

Nach Hambach gelangte ich mit dem Bus. Es gab damals bereits einen Stadtbus, mit dem man bequem nach Creidlitz fahren konnte, und von Creidlitz war es nur ein kurzer Fußweg nach Hambach.

An dieser Stelle herzlichen Dank an Herrn Edzard Klapp aus Steinenbronn für diese schöne Erzählung aus seiner Schulzeit in Coburg.

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