Die "Arnoldhütte" auf dem Muppberg

Die "Arnoldhütte" auf dem Muppberg,

dem Neustadter Hausberg
Ein beliebtes Ausflugziel im Coburger Land

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Foto: 2012 © Ulrich Göpfert

 

Wenn ein in der Ferne wohnender Neustadter seine alte Heimat wieder besucht, so steht ganz selbstverständlich eine Wanderung auf den 516 Meter hohen Muppberg mit Einkehr in der ganzjährig bewirtschafteten Schutzhütte auf dem Besuchsprogramm. Dazu gehört auch die Besteigung des 28 Meter hohen Prinzregententurms, der majestätisch über dem Muppberggipfel ragt und von dem aus eine herrliche Rundumsicht ins Thüringer Land und ins Fränkische besteht.

 

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Repro: 2012 Ulrich Göpfert

Am 16. Mai 2006 konnte die Arnoldhütte ihren 80. Geburtstag begehen. Aus der ehemals reinen Schutzhütte, die bei plötzlich eintretendem Unwetter eine Zuflucht für Wanderer und Spaziergänger sein sollte, entwickelte sich eines der beliebtesten Ausflugslokale Neustadts und des gesamten Coburger Landes. Das ist ein Verdienst des Verschönerungsvereins, der damals unter seinem Vorsitzenden, Geheimrat Max Oskar Arnold, den Bau dieser Schutzhütte in die Tat umsetzte.

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Repro: 2012 Ulrich Göpfert

Schon bald nach der Errichtung des Prinzregententurms im Jahr 1905 tauchte der Gedanke auf, einen Schutzbau zu erstellen. So hatte sich der Verschönerungsverein mit dem Plan befasst, einen Anbau an den Turm vorzunehmen, der sich im Stil dem Turm angleicht und mit ihm baulich verbunden werden sollte. Der Neustadter Professor Max Derra hatte bereits nach einem Entwurf des Maurermeisters Bosecker, nach dessen Plan der gebaut wurde, ein Modell angefertigt, das allseitige Zustimmung fand, aber infolge der hohen Kosten nicht zur Ausführung kommen konnte.

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Am 15. Februar 1926 wurde dann in einer Generalversammlung in der Gaststätte "Kröckelei" endgültig der Beschluss gefasst, noch im gleichen Jahr eine Schutzhütte zu errichten. Das oberhalb der Ottilienquelle gelegene Gelände in nur 80 Metern Entfernung vom Aussichtsturm wurde als Standort auserkoren. Es wurde festgelegt, den Unterbau in Sandsteinmauerwerk auszuführen. Aus diesem Grund sollte die Blockhütte in zwölf Metern Breite und sechs Metern Tiefe ruhen. Die eine Hälfte sollte einen vollkommen geschlossenen Raum bilden, während der andere Teil offen bleiben und nur eine Überdachung tragen sollte.

Am 1. März 1926 war in der Tageszeitung zu lesen: "Fleißige Hände haben bereits sieben große Haufen Steine für den Blockhausbau zusammen getragen. Herr Roßbach (der Turmwächter) und seine Frau haben den Hauptteil geleistet. Am 17. März 1926 hieß es: "In den letzten Tagen sind an dem für den Bau der Blockhütte vorgesehenen Platz die Bäume umgemacht worden. 15 Erwerbslose haben sich freiwillig angeboten, bei den notwendigen Arbeiten mitzuwirken."

Stadtbaumeister Töpfer, Kassierer des Vereins, bezifferte in einer Ausschusssitzung am 23. März 1926 die Kostenvoranschläge auf insgesamt 2500 Mark. Ende Februar 1926 wurden aufgrund einer erfolgten Ausschreibung die erforderlichen Arbeiten wie folgt vergeben: Mauerarbeiten zu 426 Mark, Zimmerarbeiten zu 954 Mark. Die weiteren Kosten betrugen: Dachdeckerarbeiten 280 Mark, Fenster 98 Mark, für Standen, Auffüllen des Geländes, Steine und anderem 820 Mark. Die Gesamtkosten beliefen sich somit auf rund 2600 Mark.

Tatkräftige Unterstützung bei der Ausführung des Baues erfuhr der Verschönerungsverein durch den Thüringerwald-Verein, der auch einen Zuschuss in Höhe von 100 Mark leistete. Von der Coburger Landesstiftung wurden 250 Mark und von der Stadt Neustadt 300 Mark gewährt. Die ungedeckten Ausgaben in Höhe von rund 1400 Mark mussten über ein Sparkassendarlehen finanziert werden. Am 13. April 1926 berichtete die Tageszeitung, dass der Bau der Schutzhütte auf dem Muppberg sehr gut voranschreitet. Gegenwärtig baue man an dem hohen westlichen Fundament, in das als Schlussstein ein großer, von der Ottilienkapelle stammender Stein eingelegt werden soll.

Die Schlusssteinlegung am Sonntag, 25. April 1926, war begleitet von goldenem, sonnigem Wetter. Pünktlich um 15 Uhr kündeten drei Böllerschüsse der Schützengesellschaft den Beginn des Festaktes an. Anschließend schallte aus den frischen Kehlen der Sänger der Liederhalle das Lied "Komm in den Wald". Der Vorsitzende, Geheimrat Max Oscar Arnold, der kurz die Geschichte des Turm- und Hüttenbaues streifte, stellte in seiner Ansprache fest, "dass Neustadt schon immer einig war, wenn es galt, etwas Großes, der Gemeinschaft dienendes zu schaffen". Stadtbaumeister Töpfer widmete seine drei Hammerschläge dem Wanderer zur Rast, der Allgemeinheit zu Schutz und unserem lieben Neustadt zum Segen. Zum Abschluss des offiziellen Aktes sang der gemischte Chor des Arbeitergesangvereins. Turmwart Roßbach versorgte anschließend die Gäste mit Neustadter Bier und Rostbratwürsten.

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Schon drei Wochen später, am 16. Mai 1926, fand die Schutzhüttenweihe in feierlicher Weise und unter Teilnahme der gesamten Bevölkerung statt. Auf den Muppberg waren rund 2500 Besucher hinaufgekommen. Schon am Samstagabend wurde der Aussichtsturm festlich beleuchtet und kündigte so die tags darauf folgende Einweihung an. Wiederum unterbrachen am Sonntag, um 9, 12 und 15 Uhr Böllerschüsse der Schützengesellschaft "Jägersruh" die Waldesstille des Muppbergs.

An Eintrittsgeld wurden 20 Pfennige verlangt. Dafür erhielt man eine sichtbar zu tragende Blume. Um 14 Uhr zogen die oberen Schulklassen unter der Führung der Lehrerschaft vom Hauptschulhof auf den Muppberg und gruppierten sich um die Schutzhütte. Eine Stafette des Turnvereins I setzte sich um 14.30 Uhr vom Arnoldschen Haus am Bahnhof in Bewegung, um die im Schlussstein niederlegende Erbauungsurkunde auf den Muppberg zu bringen.

Der Vorsitzende, Geheimrat Max Arnold, hielt eine ebenso kurze wie packende Weihrede. Darin brachte er die Erwartung zum Ausdruck, dass die Schutzhütte eine Stätte des Friedens sein soll, der Eintracht und Einigkeit, eine Stätte allen Naturfreunden gewidmet und ihrem Schutze empfohlen. Besonderen Dank widmete er der Forstverwaltung mit Forstmeister Schlee, Stadtbaumeister Töpfer, der den Bau leitete und so zügig vorantrieb, den beteiligten Baufirmen, der Thüringerwald-Verein sowie den Erwerbslosen und allen, die beim Bau mithalfen. Die Schutzhütte war vollendet. Das Einweihungsprogramm rundeten weitere Festsprachen, Gesangvorträge und turnerische Vorführungen ab.

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Nach der Fertigstellung der Schutzhütte gelang es nach und nach, das Hütteninnere gemütlicher und freundlicher zu gestalten. Spenden aus den verschiedensten Kreisen der Bevölkerung trugen dazu bei. Den Anfang machte der damalige Besitzer des Lichtspielhauses, Karl Kiesewetter, der sechs große Holzbänke schenkte. Ein Coburger, der seine Kinderjahre am Fuße des Muppbergs verlebte, stiftete eine sechs Meter lange Fahne als Angebinde.

Der Verein, der sich zwischenzeitlich "Verschönerungs- und Fremdenverkehrsverein" nannte, machte sich in den folgenden Jahren große Mühe, die Besucherzahl anzuheben. Er besann sich einer uralten Tradition und führte die Bergkirchweih wieder ein. In den Anfängen der Schutzhütte war diese nur an Sonn- und Feiertagen geöffnet. Eine Feuerstätte und eine Bewohnung waren nicht gestattet. Der erste Pächter, Herr Roßbach, musste seinerzeit Bier, Limo und Bratwürste noch mit dem Rucksack hinauftragen. Die Eheleute Gerhard und Else Thieg, sind diejenigen Hüttenwirtsleute, die bisher die längste Zeit die Arnoldhütte bewirtschafteten.

In den Jahren 1934/35 wurden erhebliche Verbesserungen an der Arnoldhütte, die nach dem langjährigen Vorsitzenden, Geheimrat Max Oscar Arnold, benannt wurde, vorgenommen. Der bisher nur überdachte Freiraum wurde verschalt und ein Terrassenbau errichtet. Ein Keller wurde geschaffen und der heute noch bestehende Neubau mit Toilettenanlagen gebaut. Auch die Verlegung einer Wasserleitung zur Hütte, von einer Brunnenkammer aus, war für die seinerzeitigen Verhältnisse ein großer Fortschritt.


1929 führte der Verein die beliebten Hüttenabende ein, die besonders in den ersten Kriegsjahren erheblich angestiegen sind. 1939/40 wurde die Hüttenküche vergrößert. Die folgenden Kriegsjahre brachten einen tiefen Einschnitt in die Fortentwicklung der Arnoldhütte. Mühsam musste nach dem Krieg alles wieder aufgebaut werden, was inzwischen verloren gegangen oder zerstört worden war. Nächtliche Einbrüche machten die Schaffung eines Schlafraumes für die Pächter notwendig. 1948 wurde die Hütte daher um zwei Wohnräume erweitert und die Terrasse vergrößert.

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Ein verheerender Sturm am 17. Mai 1958 richtete auch an der Arnoldhütte erhebliche Schäden an. Die Lichtleitung der Hütte wurde fast völlig zerstört. Rund 11000 Mark betrug der Gesamtschaden.

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Wegen altersbedingter Verschleißerscheinungen und aufgrund von Anlagen musste die gesamte Arnoldhütte in den Jahren 1979 bis 1982 mit einem Kostenaufwand von rund 214.000 Mark grundlegend saniert werden. Erst im Dezember 1985 wurde ein behaglicher, wenn auch etwas wuchtiger Natursteinofen eingebaut und 1986 wurde die Inneneinrichtung völlig neu gestaltet und verbessert. Damit ist sichergestellt worden, dass die Arnoldhütte als eine für die Neustadter nicht mehr wegzudenkende Freizeiteinrichtung auch für die nächsten Jahrzehnte erhalten bleibt.

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Zu verdanken haben die Neustadter dieses herrliche Fleckchen Erde in erster Linie dem langjährigen Vorsitzenden des Verschönerungsvereins, Geheimrat Max Oscar Arnold, und allen Hüttenwirten, die vieles in eigener Initiative geschaffen haben. Einen Dank verdienen aber auch die "Bergfreunde 70" die sich seit ihrer Gründung im Jahre 1970 der Verschönerung des Muppbergs und seiner Anlagen verschrieben haben. Seit einigen Jahren setzt sich aber auch der Mittwochs-Stammtisch der Arnoldhütte, zu dem auch einige Mitglieder des Verschönerungsvereins zählen, für die Unterhaltung und Verschönerung der Arnoldhütte und seiner Außenanlagen ein.

Quelle: Stadt Neustadt bei Coburg
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