Besenderte Kuckucke

Besenderte Kuckucke auf gefährlicher Rückreise
Erste LBV-Kuckucke mit Minisender haben risikoreichen Rückflug
von Afrika nach Bayern begonnen – Live im Internet zu verfolgen

Hilpoltstein – Startschuss für die gefährlichste Phase im internationalen Kuckuck-Forschungsprojekt des Landesbunds für Vogelschutz (LBV). Die meisten der mit Mini-Satellitensender ausgestatten Zugvögel haben ihre afrikanischen Winterquartiere südlich des Äquators verlassen und befinden sich auf dem Rückflug in ihre bayerische bzw. weißrussische Heimat. „Die nächsten vier Wochen sind entscheidend“, so LBV-Biologin Friederike Herzog. Derzeit befinden sich die drei bayerischen Kuckucke „Kucki“, „Richard“ und „Käpt’n Kuck“ und ihr weißrussischer Artgenosse „Viktar“ bereits im südwestlichen Afrika. Die drei weiteren Vögel mit Hightech-Rucksack werden es ihnen jeden Tag gleich tun. Welche exakten Routen die Kuckucke nehmen, wer den Sprung über die Sahara und die Todeszone in Nordafrika überlebt und wer zuerst wieder in Bayern ankommt, das kann jeder live im Internet auf einer Weltkarte unter www.lbv.de/kuckuck  mitverfolgen.

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LBV-Kuckuck „Kucki“
Foto: 2015 © Andreas von Lindeiner

Wie gefährlich die Reise für die Zugvögel jedes Mal ist,
zeigt die Tatsache, dass sich im letzten Sommer noch elf besenderte Kuckucke von ihren Brutgebieten in Bayern bzw. Weißrussland auf den langen Weg nach Afrika gemacht hatten. Jetzt sind es nur noch sieben Vögel, deren Zugverhalten der LBV mit Hilfe von modernster Satellitentechnik weiter analysieren kann. „Die Kuckucke, die bei uns ja als Glücksbringer gelten, werden auch etwas Glück brauchen, um die Todeszone für Zugvögel in Nordafrika zu überleben.“ Waren es im ersten Projektjahr fünf Kuckucke, die auf dem Zug und im Überwinterungsgebiet verstarben, waren es dieses Mal nur drei Vögel, die von ganz unterschiedlichen Orten auf dem Weg in den Süden ihr letztes Satellitensignal sendeten.

Für „Kucki“ ist es bereits der zweite Rückflug mit Hightech-Minirucksack,
den die Forscher des LBV gespannt verfolgen. Das Kuckucksweibchen hat auch diesen Winter im Norden Angolas verbracht und sich somit das südlichste Überwinterungsgebiet der besenderten bayerischen LBV-Vögel herausgesucht. „Im Vergleich zum Vorjahr hat Kucki diesmal schon Anfang März und somit einige Tage früher ihre Rückreise angetreten“, erklärt Friederike Herzog. „Und wenn sie dann nach der gewaltigen Strecke von über 6.400 km im April in Bayern ankommt, wird sie wohl teilweise noch den Staub der Sahara in den Federn tragen.“

Aktuell rastet „Kucki“ in der Elfenbeinküste in einem Übergangsbereich zwischen Regenwaldzone und Savanne, in dem ein feuchtes Savannenklima mit einer Luftfeuchtigkeit zwischen 60 und 70 Prozent herrscht. Das Kuckucksmännchen „Käpt´n Kuck“ wiederum macht Zwischenstopp in Nigeria, an dessen Küste viele Bereiche mit ökologisch bedeutsamen Mangroven-Wäldern liegen. Das Ziel der beiden Vögel wird vermutlich jedoch annähernd das gleiche sein. „Wir sind gespannt, ob unsere Senderkuckucke aus Bayern wie im letzten Untersuchungsjahr alle wieder in ihr angestammtes Brutgebiet im Landkreis Regensburg zurückkehren“, berichtet die LBV-Biologin. „In etwa 3.000 Meter Höhe werden die Kuckucke in Kürze in einem Satz über die Sahara fliegen und deshalb hoffen wir, dass sie ihren Tank vor dem Abflug auch gut gefüllt haben.“

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LBV-Kuckuck „Richard“
Foto: 2015 © Andreas von Lindeiner

„Viktar“, ein in Weißrussland besendeter Kuckuck, befindet sich derzeit genauso wie der Bayer „Richard“ in Ghana. Somit bestätigten die vier bisher aufgebrochenen Vögel die nord-westliche Rückzugsroute, die schon im Frühling 2014 bei fast allen besenderten Projekt-Kuckucken beobachtet werden konnte. „Trotz unterschiedlichster Zugstrecken in den Süden können wir davon ausgehen, dass fast alle europäischen Kuckucke aber über eine ähnliche westliche Route aus Afrika wieder zurückkommen“, führt Herzog weiter aus.

Zum Projekt:
Der Landesbund für Vogelschutz startete Anfang 2013 ein großes, internationales Forschungsprojekt zum Schutz des Kuckucks. Da sich der Bestand der Art im Rückgang befindet und viele Informationen über das Zugverhalten und die Bewegungen der Art in den Überwinterungsgebieten fehlen, wurden 18 Kuckucke aus Bayern und Weißrussland mit Hightech-Satellitensendern auf dem Rücken ausgestattet. Mittels dieser kleinstmöglichen Sender übermitteln die Vögel den Forschern des LBV ständig ihre Aufenthaltsorte.

Im Frühjahr 2014 wurden in Bayern zehn Vögel im Brutgebiet telemetriert, um Revierverhalten, Wirtsvogelwahl und Nahrungsspektrum exakt zu untersuchen. Dieselbe Untersuchung wird 2015 ebenfalls in Weißrussland stattfinden.

Mittels der neu gewonnenen Erkenntnisse erarbeitet der LBV Schutzmaßnahmen für die bedrohte Vogelart.

Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) e. V.
Landesgeschäftsstelle Eisvogelweg 1,  91161 Hilpoltstein

Telefon: +49 (9174) 4775-0
Telefax: +49 (9174) 4775-75
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Internet: www.lbv.de

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