Jetzt den Kranichzug über Bayern erleben

Jetzt den Kranichzug über Bayern erleben
Der laut trompetenden „Glücksvogel“ ist derzeit
gut am bayerischen Himmel zu beobachten  – Neue Zugroute etabliert sich

Hilpoltstein – Deutschland- und europaweit ist der Zug der Kraniche in vollem Gange. Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) erwartet deshalb in den kommenden Tagen auch ziehende Kraniche am Himmel über Bayern.

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Kraniche im Flug
Foto: © Hans Clausen

Wer in den Genuss dieses großartigen Herbstschauspiels kommen will, dem empfiehlt der LBV: „Kopf hoch und Ohren aus dem Fenster!“. Die Großvögel ziehen mit 50 bis 70 km/h und sind für den Naturbeobachter an ihrer keilförmigen Formation und den trompetenartigen Rufen leicht zu erkennen. Dass Bayern von ziehenden Kranichen überflogen wird ist zwar immer noch ungewöhnlich, eine neue so genannte Südroute wird aber seit wenigen Jahren immer regelmäßiger beflogen. Momentan ziehen die Kraniche aber nicht nur entlang des Alpenrandes nach Westen, sondern auch in Südwestrichtung von Thüringen und Sachsen über Franken hinweg.

Auf dem Zug ins südliche Winterquartier wurden seit Montag vor allem im südlichen Bayern entlang der Voralpenseen bereits einige Tausend Kraniche gezählt. Ein Beobachter meldete am Dienstag ungefähr 1.000 Vögel in der Gegend um Bad Füssing. Diese wurden später auch bei Erding wiedergesehen und zogen dann weiter Richtung Westen. „Vor allem entlang der Flüsse Würm, Lech und Isar stehen die Chancen für Kranichbeobachtungen in den nächsten Tagen gut“, so die bayerische Kranichexpertin Dr. Miriam Hansbauer. Die noch junge südliche Alpenzugroute entlang der Donau nutzen osteuropäische Kraniche, die von einem großen Rastplatz in Ungarn kommen, wo sich über 135.000 Vögel sammeln. „Dieser neue Weg über Österreich nach Bayern und dann weiter Richtung Westen über die Schweiz nach Frankreich hat sich mittlerweile etabliert“, erklärt Hansbauer.

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Kraniche im Nebel
Foto: © Hans Clausen

Doch auch Nordbayern wird von Kranichen überflogen werden
„Über Thüringen können südliche Abzweiger auch nach Franken kommen, die dann Richtung Baden-Württemberg weiterziehen“, so die Expertin. Sie kommen von einer der traditionellen Hauptzugrouten quer durch Mitteldeutschland. Bei entsprechender Wetterlage werden auch immer wieder Kranichtrupps nach Osten verschoben. „Aufgrund der zunehmenden Gesamtpopulation überfliegen daher immer mehr Vögel auch Teile Nordbayerns“, erklärt Hansbauer.

Aufgrund von jahrzehntelangen Schutzbemühungen in ganz Europa konnten sich die Zahlen des Graukranichs erholen. Heute leben sogar in Bayern wieder mehrere Brutpaare, die meisten davon in der Oberpfalz. „Im Vorjahr hatten wir aber auch im Alpenvorland die erste erfolgreiche Kranichbrut seit 124 Jahren“, so Miriam Hansbauer weiter.

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Kranichtrupp im Landeanflug
Foto: © Leon Sommer

Kraniche orientieren sich bei ihrem Zug an Landmarken wie Flüssen und Berggipfeln. Sie ziehen bevorzugt bei Hochdruckwetter, da sie dann von den östlichen Winden mitgetragen werden und dadurch Kraft sparen können. Die kräftigen und erfahrenen Tiere fliegen an der Spitze, dann folgen Familien mit durchschnittlich zwei Jungtieren. Bei günstigen Flugbedingungen können die bis 1,30 Meter großen Tiere ohne Halt bis nach Südeuropa fliegen.

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