Weltspatzentag am 20. März 2016

Weltspatzentag am 20. März 2016
Spatz, wo bist du?
Haussperling in München fast verschwunden
– anderen Städten droht gleiche Tendenz
– Spatz geht auch auf dem Land zurück

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Haussperling im Biergarten
© Monika Graf

Hilpoltstein – Der unscheinbare Haussperling, jedem bekannt als Spatz, hat sich aus vielen deutschen Großstädten und Stadtzentren zurückgezogen. „Im Freistaat ist dies vor allem in München der Fall, doch auch in Nürnberg und anderen großen bayerischen Städten mit intensiver Bautätigkeit ist eine derartige Entwicklung absehbar“, so die LBV-Expertin Sylvia Weber. Zum Weltspatzentag am 20. März will der LBV deshalb den Rückgang einstiger Allerweltsvögel wie dem Haussperling ins öffentliche Bewusstsein rücken. Denn nicht nur Vogelarten auf der Roten Liste sind stark bedroht und müssen geschützt werden. Auch abseits dieser Liste geht es in Bayern allseits bekannten Vögeln wie dem Spatz immer schlechter.

„In München ist er besonders selten geworden und man kann Spatzen nur noch an wenigen Stellen entdecken“, sagt Sylvia Weber, die beim LBV das Projekt für Artenschutz an Gebäuden leitet. Gebäudesanierungen setzen dem Haussperling als Gebäudebrüter ebenso zu, wie die Überbauung von Grünflächen und die Rodung von Gebüschen und Hecken. „Bezogen auf das Münchner Stadtgebiet haben wir es hier mit einer gefährdeten Art zu tun“, so Weber weiter. Diese Tendenz ist auch für Nürnberg und anderer Städte zu erwarten, wo Bautätigkeit, Flächenversiegelung und Sanierungsmaßnahmen so enorm voranschreiten. Deutschlandweit steht der früher allgegenwärtige Hausspatz bereits auf der Vorwarnliste.

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Haussperlinge
© Moning

Zwar geht es dem Haussperling in den ländlichen Gebieten Bayerns noch relativ gut, aber auch hier geht er deutlich zurück. „Früher lebten auf dem Land 100 Spatzen in einer Hecke, heute sind es nur noch 20, aber das fällt den Leuten nicht auf, da 20 genauso laut sind wie vorher 100“, erklärt Sylvia Weber. Auch hier herrscht deshalb Handlungsbedarf, denn auch auf dem Land wird nur noch hochwertig energetisch gebaut, so dass der Spatz an Häusern keine Brutplätze mehr findet. Außerdem werden auch die Bauernhöfe weniger, dabei bilden sie mit ihren vielen Insekten die Nahrungsgrundlage für die Spatzenkinder. „Dazu werden die dampfstrahler- und laubbläsergerechten Gärten auch in den Dörfern immer mehr“, bedauert Weber.

Aufgrund des Rückgangs hat sich die Referentin für Umwelt und Gesundheit der Stadt München, Stephanie Jacobs, jetzt der Münchner Spatzen angenommen: "Als Spatzenpatin ist es mir ein großes Anliegen bekannt zu machen, dass gerade auch ein Allerweltsvogel wie der Spatz in München und allen anderen Städten immer seltener wird, weil Brutplätze und Nahrungsvielfalt durch Nachverdichtung, Sanierung und gepflegte Ziergärten in großem Umfang verloren gehen.“ Jacobs würde sich deshalb wünschen, dass Bauherren nicht vergessen, auch an Nistmöglichkeiten zu denken, und dass es in den Gärten und Parkanlagen Mut zu mehr Wildnis und Natur gibt. Ein solches Engagement könne sich sogar finanziell lohnen, zum Beispiel in Form eines Gebäudebrüterbonus. „Der LBV hält hierzu viele Informationen bereit, die das Referat für Gesundheit gerne fördert", so Jacobs.

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Haussperling auf Gitter
© Markus Gläßel

Zum Weltspatzentag
Let’s talk about sparrows!“ heißt die Devise am 20. März jeden Jahres, seit der world sparrow day 2010 von der „Nature forever society“ in Indien ins Leben gerufen wurde. Weltweit haben sich der Initiative seitdem viele Naturschutzorganisationen angeschlossen, darunter auch der LBV.

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