175 Jahre Eisenbahn

175 Jahre Eisenbahn

Der kurze Höhenflug des "Adler"

 

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Der Adler an seinem angestammten Platz im DB-Museum Nürnberg

Foto: © BR-Studio Franken

 

Schon ganz früh versammeln sich Neugierige am 7. Dezember 1835. Sie wollen auf keinen Fall die erste Fahrt des "Adler" verpassen. Doch auch wenn die Eisenbahn ihren Siegeszug durch Deutschland mit dem "Adler" antrat - der "Adler" selbst wurde bald aufs Abstellgleis gestellt!

 

Begeistert und mit viel Presserummel wurde die erste Fahrt des "Adler" aufgenommen. Staunend und voller Ehrfurcht berichteten die Zeitungen von dem Ereignis. Und auch im täglichen Betrieb stellte sich der "Adler" und die Route als Erfolgsmodell heraus. Doch der Strecke zwischen Nürnberg und Fürth wurde der Rang abgelaufen und die Entwicklung der Bahn lief an ihr vorbei. Auch die Lok gehörte bald zum alten Eisen, wurde zum Museumsstück. In die Schlagzeilen kam der "Adler" schließlich wieder, weil er bei einem Großbrand im Lokschuppen des Nürnberger DB Museums 2005 schwer beschädigt wurde.

 

Ein dampfendes Ungetüm

Mit viel Spannung wurde sie erwartet, die erste Fahrt vom Nürnberger Plärrer, dem neuen Ludwigsbahnhof, zum Ludwigsbahnhof in Fürth, auf der heutigen Fürther Freiheit. Und auch, wenn die Gesellschaft und die Bahnhöfe nach dem bayerischen König benannt wurden, - das Königshaus fehlte bei der Eröffnung. Wohl auch, weil Ludwig I. das Projekt nicht wirklich unterstützte. Um 9 Uhr ertönte ein Kanonenschuss - der Startschuss für den "Adler", der in neun Waggons rund 200 Gäste nach Fürth brachte. Dabei waren die einen von der Technik fasziniert, die anderen fürchteten sich vor dem rauchenden, dampfenden Ungetüm.

 

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Sonderfahrt des restaurierten Adlers von
Nürnberg nach Fürth am 26. April 2008

Foto: © BR-Studio Franken/Frank Staudenmayer

 

Adler im Betrieb

Mit nur einer Lokomotive musste die Strecke zunächst mit Pferdezügen und dem Dampfzug betrieben werden. Die Fahrten mit Lok dauerten zwischen zwölf und 15 Minuten ohne Zwischenstopp. Die Pferdezüge bestanden aus einem Pferd und zwei Wagen oder zwei hintereinander gespannten Pferden und vier bis fünf Wagen. Mit dem Pferd waren die Fahrgäste rund 24 Minuten unterwegs. Schon 1836 wurde eine zweite Lokomotive aus England mit dem Namen "Pfeil" angeschafft, doch erst 1862 wurde die Pferdearbeit völlig eingestellt.

 

Gleichschaltung der Uhren

Im 19. Jahrhundert hatte fast jeder Ort in Deutschland noch seine eigene Zeit, die Minuten von der in anderen Orten abweichen konnte. Dies wurde mit der Eisenbahn zum Problem, denn plötzlich war die exakte Abfahrtszeit von Bedeutung. Als man nun feststellte, dass die katholische Kirche in Fürth falsch ging, war die Empörung groß. Der "Adler" fuhr nicht pünktlich. Deshalb erließ der Magistrat die Anweisung, die Kirchenuhr nach der Eisenbahnuhr zu stellen.

 

Erfolgreiche erste Zeit

Von Beginn an, war die Ludwigs-Bahn ein voller Erfolg. Zum einen wegen der Zeitersparnis. Zum anderen, weil die Fahrpreise mit 12 Kreuzer für die I. Klasse, 9 Kreuzer für die II. und 6 Kreuzer für die III. Klasse klug kalkuliert waren, denn die I. Klasse war genauso teuer wie eine wesentlich langsamere Fiakerfahrt. Dabei wurde sie fast ausschließlich im Personenverkehr verwandt, Güter wurden kaum befördert. Hinzu kam, dass die Lokomotive selbst viele Fahrgäste anzog, genau wie Lokführer William Wilson, der bald zu einer echten Attraktion wurde. So wurden 1835/36 knapp 440.000 Fahrgäste transportiert, 1836/37 467.304 - etwa doppelt so viele wie erwartet. Auch die Aktionäre freuten sich über diesen Zuspruch, denn sie erhielten eine noch höhere Rendite als die versprochenen zwölf Prozent ausgezahlt.

 

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Sonderfahrt des restaurierten Adlers
von Nürnberg nach Fürth am 26. April 2008

Foto: © BR-Studio Franken/Frank Staudenmayer

 

Der Zahn der Zeit

Bald wurde die Strecke von Vertretern anderer Städte und Regierungen besucht. Am 17. August 1837 gab sich dann auch König Ludwig I., der bei der Einweihung gefehlt hatte, die Ehre. Überall wurde über neue Strecken nachgedacht und die Weiterentwicklung der Lokomotiven wurde rasant vorangetrieben. So galt der "Adler" nach nur zwölf Jahren schon als zu alt und schwach und wurde 1857 eingestellt. Die Lokomotive wurde wieder in ihre Einzelteile zerlegt und verkauft. Vom originalen Zug gibt es heute nur noch einen gelben Waggon, der im Nürnberger DB Museum zu sehen ist.

 

Die Strecke selbst bekam durch die Pferdestraßenbahn Konkurrenz, die 1896 elektrifiziert wurde. Der Ausbau der Strecke wurde der Gesellschaft untersagt. Am 31. Oktober 1922 stellte die Ludwigseisenbahn schließlich ihren Betrieb ganz ein.

 

Quellenhinweis: BR-online – Wissen – Forschung - 175 Jahre Eisenbahn
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