21. Coburger Neujahrskonzert am 6. Januar 2008

„Donauweibchen-Walzer“, „Seufzer-Galopp“ und vieles mehr…
21. Coburger Neujahrskonzert am 6. Januar 2008 im Kongresshaus Rosengarten

Von Ulrich Göpfert

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2008 © Ulrich Göpfert

Coburg - die „Deutsche Johann Strauss Stadt“
Die Coburger Neujahrskonzerte haben sich inzwischen zu einer weithin beachteten Traditionsveranstaltung entwickelt. Heuer bereits im 21. Jahr begeisterte das Alt-Wiener Strauss-Ensemble unter Leitung von Ralph Kulling mit seinen virtuosen Darbietungen das fachkundige Publikum im Kongresshaus Rosengarten. Mit dieser Veranstaltung bereitet die Stadt Coburg u.a. ihrem berühmten Bürger dem Walzerkönig Johann Strauss Sohn ein ehrenhaftes Andenken.

Auf dem Programm des Neujahrskonzertes 2008 standen natürlich in erster Linie Kompositionen von den „Sträussen“, aber auch von Gioacchino Rossini, Carl Millöcker, Erich Wolfgang Korngold und Conradin Kreutzer. Als diesjähriger Gesangssolist konnte
der Kammersänger Michael Ebbecke von der Staatsoper Stuttgart gewonnen werden.

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2008 © Ulrich Göpfert

Das Konzert wurde vom Alt-Wiener-Strauss-Ensemble unter Leitung von Ralph Kulling mit der Ouvertüre zu „Die Italienerin in Algier“ von Gioacchino Rossini eingeleitet. Rossini hat heuer seinen 140. Todestag. Er war auch entscheidend für die musikalische Entwicklung von Johann Strauss Vater.

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2008 © Ulrich Göpfert

Was wäre ein Neujahrskonzert in Coburg ohne Dr. Eduard Strauss aus Wien (Urenkel von Eduard Strauss und Ururenkel von Johann Strauss Vater)? Er führt seit vielen Jahren mit sachkundigen und launigen Worten durch das Programm und wird in Coburg immer besonders willkommen geheißen. Besondere Neujahrsgrüße überbrachte er mit einem Gedicht von Peter Rosegger:

Ein bisschen mehr Friede und weniger Streit.
Ein bisschen mehr Güte und weniger Neid.
Ein bisschen mehr Liebe und weniger Hass.
Ein bisschen mehr Wahrheit das wäre was.

Statt so viel Unrast ein bisschen mehr Ruh.
Statt immer nur Ich ein bisschen mehr Du.
Statt Angst und Hemmung ein bisschen mehr Mut.
Und Kraft zum Handeln, das wäre gut.

In Trübsal und Dunkel ein bisschen mehr Licht.
Kein quälend Verlangen, ein bisschen Verzicht.
Und viel mehr Blumen, solange es geht.
Nicht erst an Gräbern, da blühn sie zu spät.

Ziel sei der Friede des Herzens, besseres weiß ich nicht.

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2008 © Ulrich Göpfert

Grüße der Stadt Coburg und des Landkreises Coburg überbrachte Bürgermeister und Kulturreferent Norbert Tessmer, auch im Namen von Landrat Karl Zeitler.

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„Dunkelrote Rosen“ aus „Gasparone“ von Carl Millöcker präsentierte der Kammersänger Michael Ebbecke im Anschluss. Wie Dr. Eduard Strauss in seiner Moderation dazu ausführte: Carl Millöcker war seit 1864 Theaterkapellmeister in Graz, Wien und Pest. 1869 kam er als Kapellmeister an das Theater an der Wien und bekleidete diese Stelle bis 1883. Während dieser Zeit schrieb er eine Reihe von Operetten darunter „Gräfin Dubarry“, „Apajune, der Wassermann“, seine wohl berühmteste den „Bettelstudenten“ (1881), aber auch die Operette „Gasparone“ (1884).

Danach folgte ein echtes „Schmankerl“ die Polka francaise ohne opus „Die Wienerin“ von Eduard Strauss, uraufgeführt bei einem Ball der Stadt Wien am 27.1.1891. „Im Sturmschritt“, Polka schnell op. 348, von Johann Strauss Sohn ging es weiter im Programm. Uraufgeführt wurde diese Polka durch Eduard Strauss bei einem Maifest am 19.5.1871 im k.k. Volksgarten in Wien.

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2008 © Ulrich Göpfert

Begleitet vom Alt-Wiener-Strauss-Ensemble wurde von Kammersänger Michael Ebbecke das Lied „Du bist mein Traum“ dargeboten. Es stammt aus der Operette „Das Lied der Liebe“ von Erich Wolfgang Korngold nach Motiven von Johann Strauss Sohn.

Von Johann Strauss Vater folgte der „Seufzer-Galopp“ op. 9.: Der Galopp war Ende der 20iger Jahre des 19. Jahrhunderts „der“ Modetanz schlechthin. In ihm war Leben und Bewegung. Nach einem solchen Galopp flog den Tänzern der Atem und es klopfte das Herz. Der einzige Tanz, der daneben gerade noch bestehen konnte, blieb der Walzer, doch der war damals eher noch ein Mauerblümchen.

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2008 © Ulrich Göpfert

Dr. Eduard Strauss gab dazu noch eine literarische Anmerkung von Christian Morgenstern:

Der Seufzer

Ein Seufzer lief Schlittschuh auf nächtlichem Eis
und träumte von Liebe und Freude.
Es war an dem Stadtwall, und schneeweiß
Glänzten die Stadtwallgebäude.

Der Seufzer dacht` an ein Maidelein
und blieb erglühend stehen.
Da schmolz die Eisbahn unter ihm ein –
und er sank – und ward nimmer gesehen

und damit hatte er die Lacher auf seiner Seite.

Als letztes Stück vor der Pause wurde vom Alt-Wiener-Strauss-Ensemble der „Liebes-Lieder Walzer op. 114 von Johann Strauss Sohn dargeboten. Wie ein Kritiker dazu damals schrieb: „Die neuen Walzer mussten unter Jubel wiederholt werden. Man kann sich aber auch nichts Reizenderes und Lieblicheres denken als dieses dreiviertel-taktige Tonbouquet.“

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Mit dem „Rosenkavalier-Walzer“ vom großen deutschen Komponisten Richard Strauss ging es nach der Pause schwungvoll weiter. Als besondere Rarität im Programm wurde den Konzertbesucher die so genannte „Cello Romanze“ op. 255a in g-moll aus dem Jahre 1860 von Johann Strauss Sohn zu Gehör gebracht. Johann Strauss Sohn hat nicht nur Operetten und Tänze geschrieben, sondern auch, Modeströmungen folgend, bei Bedarf andere Kompositionen. Da er zwischen 1856 und 1869 in den Sommermonaten mehrmals in Russland gastierte und besonders dort musikalische Romanzen beliebt waren, hat er mindestens drei Romanzen für Cello und Orchester geschrieben.

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Quasi als „Kontrastprogramm“ wurde danach von Kammersänger Michael Ebbecke das Auftrittslied des Schweinezüchter Zsupan: „Ja das Schreiben und das Lesen“ aus der Operette „Der Zigeunerbaron“ von Johann Strauss Sohn vorgetragen. Es war die zehnte Operette von Johann Strauss Sohn und wurde von ihm selbst am 24. Oktober 1885, dem Vorabend seines 60. Geburtstages, im Theater an der Wien aus der Taufe gehoben. Alexander Girardi feierte als Schweinezüchter Zsupan wieder einmal Triumphe, und am 25. Oktober konnte man in der Zeitung „Die Presse“ in Wien lesen: „Der Meister hat sich zu den künstlerischen reineren Formen der, man möchte fast sagen, seriösen Operette hindurchgerungen, von welcher aus nur ein kurzer Schritt zur Oper zu machen übrig bleibt.“

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Johann Strauss freilich sollte für diesen „kurzen Schritt“ noch über sechs Jahre brauchen, nämlich bis zum 1. Januar 1892, der Premiere seiner Oper „Ritter Pásmán“. Daraus wurde der Csárás vom Alt-Wiener-Strauss-Ensemble gespielt. Nicht minder schwungvoll wurde das Konzert mit der Polka schnell op. 127 „Vorwärts“ von Josef Strauss fortgesetzt.

Als sein letztes Stück im offiziellen Programm trug Kammersänger Michael Ebbecke das ebenso berühmte wie populäre „Hobellied“ von Conradin Kreutzer aus Ferdinand Raimunds Zaubermärchen „Der Verschwender“ (1833) vor.

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Als krönenden Abschluss des Programms wurde vom Alt-Wiener-Strauss-Ensemble unter Ralph Kulling der „Donauweibchen-Walzer“, op. 427, aus Motiven der Operette „Simplicius“ von Johann Strauss Sohn dargeboten. Die Musik zu dieser 11. Operette des Meisters wird wohl zu einem großen Teil in Coburg entstanden sein, denn Johann Strauss wohnte zur Entstehungszeit des „Simplicius“ ca. sechs Wochen zusammenhängend in Coburg um die Hochzeit mit seiner dritten Frau Adele vorzubereiten. Das Paar heiratete im August 1887 in Coburg. Wie Dr. Eduard Strauss weiter ausführte: Für mich hat der Walzer aber einen noch viel aktuelleren Bezug zu Coburg: Er erklang in der von Ralph Braun wegweisend gestalteten Produktion des „Simplicius“ im Landestheater Coburg im Sommer 2004 einprägsam als Quartett gesungen.

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2008 © Ulrich Göpfert

Der Gesangssolist und die Musiker wurden erst nach den Zugaben: „The Typewriter“ von Leroy Anderson, der Champagnerarie aus „Don Giovanni“ von Wolfgang Amadeus Mozart und dem Radetzky-Marsch, der natürlich bei keinem Neujahrskonzert fehlen darf, von der Bühne mit stehenden Ovationen verabschiedet. Doch erst mit der Polka schnell „Auf und davon“ von Eduard Strauss war das hervorragende Konzert endgültig zu Ende.

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Das Foto zeigt Dr. Eduard Strauss und den 1. Vorsitzenden der Deutschen Johann Strauss Gesellschaft, Ralph Braun, mit dem DVD-Dokumentationsmitschnitt der Deutschen Erstaufführung von Johann Strauss „Simplicius“ – (2005 Landestheater Coburg). Die DVD kann über die Kasse des Landestheaters Coburg zum Preis von 12,00 Euro oder bei der Deutschen Johann Strauss Gesellschaft, Herrn Werner Abel, Tel: 06151-664109 bezogen werden.

2008 © Ulrich Göpfert

Quellenhinweis: Moderation Dr. Eduard Strauss

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