Das "Muckl-Brünnle"

Das "Muckl-Brünnle"
bei Tremersdorf wird von dem rührigen Verein "Axt im Walde" gepflegt


Kammersänger Hans Wolff

Das "Muckl-Brünnle" bei Tremersdorf ist eine Erinnerung an den Coburger Kammersänger Hans Wolff (1875-1934), der nach dem Ersten Weltkrieg dem Ensemble des Coburger Landestheater angehörte. Hans Wolffs Tenor prädestinierte ihn zum Helden auf der Bühne, jedoch nicht seine Gestalt. Er war klein von Statur und hatte es oft schwer, neben seiner voluminösen Stimme eine entsprechende äußere Erscheinung in den Rollen auf der Bühne darzustellen. Der Gefahr, auf der Bühne als Lohengrin von Elsa von Brabant nicht bemerkt zu werden, begegnete er mit Schuhen, deren Sohlen zehn Zentimeter dick waren. Den Spitznamen "Muckl" bekam er von seinen Vereinskollegen von der "Schlaraffia" in Coburg zugedacht.


Eine Aufnahme des Muckl-Brünnle aus den früheren Jahren

Er war in seiner Freizeit leidenschaftlicher Angler, der regelmäßig seine Angel bei Tremersdorf auswarf, und zwar in einem Wässerlein, das aus Görsdorf/Thüringen kommend, die im Jahre 1962 abgebrochene Weihersmühle versorgte und in Tremersdorf in die Lauter fließt. Eines Tages entdeckte er beim Angeln eine Quelle, die er mit dem Tremersdorfer Edmund Lindner fasste und später zu einem kleinen Teich ausbaute, in dem - wie auch heute noch - Wasserräder ihr munteres Spiel treiben. Diese Quelle wurde später mit dem Namen "Muckl-Brünnle" versehen, den sie auch heute noch trägt.


Alte Postkarte aus Tremersdorf

Während der Theaterferien wohnte Muckl im Tremersdorfer Gasthaus, wo er oft von seinen Coburger Freunden besucht wurde, die immer im Landauer der Posthalterei Mönch aus Coburg vorfuhren. Seine Gäste lud Muckl regelmäßig zum Fischessen ein, das aus nicht allzu großen Forellen bestand, die im Gasthaus zubereitet wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das "Muckl-Brünnle" in Vergessenheit geraten, bis die Tremersdorfer Landjugend "Axt im Walde" sich seiner annahm und ihm die Gestalt gab, wie wir es heute zum Glück noch sehen können. Vor allem an den Wochenenden im Sommer ist dieser Ort ein beliebtes Ausflugsziel der Coburger Stadt- und Landbevölkerung, die dann mit Kind und Kegel dort anzutreffen ist. Auch unsere Nachbarn aus dem angrenzenden Thüringen haben diesen schönen Platz in ihr Herz geschlossen und sind dort regelmäßig vertreten.

Verein "Axt im Walde"


Vereinswappen

Der etwas außergewöhnliche Vereinsname ist, wie mir Vereinsmitglied Heinz Oppel aus Tremersdorf berichtete, folgendermaßen entstanden:
In den 50iger Jahren des vorigen Jahrhunderts trieben, wie fast überall, die sogenannten "Halbstarken" des Öfteren Schabernack und mancherlei Streiche im Dorf. So hängten sie z. B. bei den Nachbarn die Gartentüren aus und versteckten sie. Doch das war nicht nur ein Einzelfall, sie trieben es manchmal soweit, dass sie den Zorn der Erwachsenen auf sich zogen. Ein besonders schlimmer Fall hatte sich zu dieser Zeit in Tremersdorf zu getragen: Die "Saububen" hatten wieder einmal ihr "Mütchen gekühlt", in dem sie ein Motorrad versteckten. An sich wäre dies kein arger Schelmenstreich gewesen, hätten sie es nicht in einem Misthaufen gefahren und dort eingegraben. Dabei schauten nur noch der Lenker aus dem "duftenden Haufen heraus".

Dies war dem Besitzer dann doch des "Guten" zuviel. Er rief die Grenzpolizei aus Rottenbach zur Hilfe. Die "Gendarmen" wussten natürlich sofort wer die Übeltäter waren, die sie an Ort und Stelle führten. Neben vielen "Lobesworten", sagte dann einer der Grenzpolizisten: "Ihr führt euch schlimmer auf, "als die Axt im Walde". Seit dem wurden die Burschen von der Tremersdorfer Landjugend vom "Saulus zum Paulus" bekehrt und gründeten den Verein "Axt im Walde" und nahmen sich der Pflege des "Muckel-Brünnles" an und tragen mit ihren Arbeiten zum Wohle der Dorfbevölkerung vieles bei. Der Verein "Axt im Wald" hat sich zum Ziel gesetzt, die Anlage "Muckl-Brünnle" zu pflegen und als Ausflugsort zu erhalten sowie Rastbänke in der Umgebung von Tremersdorf zu errichten.

Aus der Vereinsgeschichte:
1953 - 1958: Gründung durch Willy Truckenbrodt und Udo Lindner. Arbeiten am Teich, Damm aufgeschüttet, Teichzaun, Wasserräder und Springbrunnen gebaut.
19.07.1959: Wiedereinweihung des "Muckl-Brünnle"
1960 - 1964: Instandhaltung von Wasserrädern und der Teichanlagen, jährliche Festveranstaltung im Juli mit Blasmusik
1965: Kinderkarussell und Schaukeln aufgestellt
1968: Rastplatz an der Linde zwischen Tremersdorf und Mirsdorf geschaffen (Mühlradtisch, ca. 5 Ztr.)
1970: Neugestaltung der Teichanlage, Bau einer Stützmauer, Zaun erneuert und Bratwurststand gebaut
1976: Geräteschuppen an die Vereinshütte gebaut
1982: Aufstellen eines 14m hohen Maibaumes im Ort
1986: Großes Wasserrad im Fluss gebaut
1988: Weg mit Brücke zum Muckl-Brünnle angelegt
19.07.1989: Verein im Vereinsregister eingetragen
1991: Teichwände werden erneuert
1995: Umbau eines Bauwagens zum vereinseigenen Toilettenwagen
2000: Erwerb des Grundstückes am Muckl-Brünnle
2001: Bau einer neuen Vereinshütte
2003: Brücke für Fußweg an der ehemaligen Weihersmühle wieder hergerichtet

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