Hallig Südfall – Ein Kleinod

Hallig Südfall – Ein Kleinod
im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer

Eine Fotoreportage von Ulrich Göpfert

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Krabbenfischerkutter im Hafen von Friedrichskoog
Foto: © Ulrich Göpfert

Auf und davon
Wenn der Alltag eintönig und trist wird, einem alles auf den "Keks"  geht, dann ist es an der Zeit die Koffer zu packen. Die Flucht aus dem Alltag und das Ziel unserer Reise ist wieder einmal der Norden. Es muss nicht immer Spanien, Griechenland oder die Türkei sein, nein zum Erholen und Ausspannen ist für meine Familie und mich schon seit Jahren der Norden. Die schöne Landschaft und die endlosen Weiten, das Meer und nicht zu vergessen die gastfreundlichen Nordfriesen, Grund genug um dort für einige Zeit den Anker zu setzen.

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Stadt Husum bei Ebbe
Foto: © Ulrich Göpfert

Über Hamburg sind wir angereist auf der A23 und weiter auf der B5 von Hamburg bis Husum (140 km). Von Husum aus geht es über Schobüll weiter und nach 8 km fahren wir über den 3 km langen Straßendamm vom Festland auf die Insel "Seeheilbad Nordstrand"  und sind am Ziel unserer Reise angekommen.

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Leni und Carl-August Petersen
Foto: © Ulrich Göpfert

Moin, moin, leewe Lüüd,
so werden wir herzlich auf diesem einzigartigen Fleckchen Erde, von unseren Pensionseltern Leni und Carl-August Petersen, Pohnskoog 11 herzlich begrüßt. Für viele Insulaner ist Plattdeutsch hier noch Landessprache. Auf einer Fläche von 49 qkm leben auf der Insel ca. 2.700 Einwohner. Nordstrand ist seit 1991 anerkanntes Seeheilbad umgeben von einem 28 km langen Seedeich. Nordstrand ist eine Landschaft mit Häusern, die auf Deichen, in den flachen Marschen und auf Warften stehen. Eine Luft, geprägt von der See: der hohe Himmel, der grüne Strand und gastfreundliche Menschen. Es ist eine kleine Welt für sich, in wenigen Stunden kann man die Insel umwandern, man kann sich in Ruhe erholen. Für Nordstrand gilt, dass es sich gerne entdecken, aber nicht erobern lässt. Gastfreundschaft und gemütliches Beisammensein beim "Pharisäer" dem Nationalgetränk der Nordstrander, werden hier besonders groß geschrieben.

Von Nordstrand aus unternehmen wir viele Ausflüge
Heute steht eine Kutschfahrt über den Meeresboden von Nordstrand zur Hallig Südfall auf unserem Programm.

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„Hinweistafel Hallig Südfall“ am Badestrand von Nordstrand
Foto: © Ulrich Göpfert

Die Hallig Südfall ist fast 60 ha groß
Die Hallig ist nur durch starke Befestigung der Halligkante zu halten. Südfall ist wichtiger Wellenbrecher für die Deiche von Nordstrand. Südfall ist Naturschutzgebiet zum Schutz von Pflanzen und Tieren. Die Hallig gehört zur Schutzzone 1 des Nationalparks.

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Mit der Kutsche über den Meeresboden von Nordstrand zur Hallig Südfall
Foto: © Ulrich Göpfert

Man gelangt zu Fuß durchs Watt oder mit der Kutsche die Hallig, jedoch nur in organisierten Gruppen. Auch geführte Gruppen dürfen nur einen kleinen Teil der Halligfläche betreten. Die Salzwiesen von Südfall werden nicht beweidet. Deshalb gibt es dort große Vorkommen typischer Salzwiesenpflanzen wie Strand-Grasnelke, Strand-Beifuss, Strandflieder oder Strandaster.

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Blick zur Hallig Südfall
Foto: © Ulrich Göpfert

An der Stelle des heutigen Südfall lag im Mittelalter wahrscheinlich der legendäre Hafenort Rungholt. Rungholt war ein regional bedeutender Küstenort mit vielleicht 1000 Einwohnern und einem kleinen Hafen, von dem aus die Friesen Salz und Vieh handelten. Die Stadt Rungholt wurde bei der Katastropenflut am 15. und 16. Januar 1362 völlig zerstört.

Südfall hat eine bewegte und berühmte Geschichte:
 „Wenn die Gräfin Diana von Reventlow-Criminil nicht gewesen wäre, würde es die Hallig Südfall vielleicht gar nicht mehr geben“. Der mit 91 Jahren im Jahr 1953 verstorbenen Gräfin gehörte nämlich die Hallig Südfall. Hier lebte sie die meisten Jahre, und als vermögende Besitzerin steckte sie viel Geld in die Instandsetzung der Hallig. Nach dem Tod der Gräfin erwarb das Land Schleswig-Holstein die Hallig, und seit 1985 gehört die Hallig Südfall zum Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer.

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Gunda Erichsen, die Schimmelreiterin von Südfall
Foto: © Ulrich Göpfert

Die Schimmelreiterin von Südfall
Zum Träumen hat Gunda Erichsen nicht wirklich Zeit. Aber das macht nichts. Denn sie lebt ihren Traum – vom Leben auf der Hallig. Es ist ein besonderes Leben, eines, das fasziniert und doch nur für die allerwenigsten infrage kommt.

Gunda Erichsen ist eine Hallig-Frau von Kindesbeinen an
Als ihr Mann Gonne Erichsen vor etlichen Jahren auf die Idee kam, auf die Hallig Südfall zu ziehen, bekam er ein „Nein“ von seiner Frau zu hören. Nein, das wollte sie nicht – vor allem nicht mit dem kleinen Kind. Ihr erstes Kind Celina war damals knapp ein Jahr, und Gunda Erichsen wusste, was auf sie zukommen würde. Denn sie selbst ist auf einer Hallig groß geworden. 17 Jahre habe ich auf der Hallig Nordstrandischmoor gelebt. Allerdings lebten auf Nordstrandischmoor im Gegensatz zu Südfall damals 37 Einwohner, und die Kinder wurden auch auf der Hallig unterrichtet.

Auf der Hallig Südfall leben nur die Erichsens
…denn das „Nein“ von damals hielt nicht an, trotz aller Vorbehalte. „Die Verantwortung war groß, gerade wegen des Kindes. Ich wusste ja, dass man nicht einfach mal schnell zum Arzt fahren kann. So gab es auch einige Minuten und Stunden, die nicht schön waren.“ Zum Beispiel, als die drei Monate alte Tochter mit 41 Grad Fieber im Bett lag und Gunda Erichsen kurz davor war, den Rettungskreuzer zu rufen. Oder als ihre kleine Tochter einen Asthmaanfall bekam, „da sind wir gerade noch so mit dem Traktor über das Watt gekommen, um ins Krankenhaus zu fahren.“

Den Trecker fährt übrigens ihr Mann Gonne, denn: „Männer fahren lieber Trecker, als auf Pferden zu sitzen.“ Der Südfall Trecker ist ein echtes Unikat – denn alle unnötige Elektrik, die nass werden könnte, ist ausgebaut. Und so kann Gonne Erichsen mit dem Trecker auch bei wenig Wasser übers Watt fahren.

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Vogelgebiet Hallig Südfall
Foto: © Ulrich Göpfert

Auf Südfall leben 15 Vogelarten
Gunda und Gonne Erichsen bewarben sich auf die ausgeschriebene Stelle beim Landesküsten- und Naturschutz (LKN) auf Südfall, nachdem die Vorgänger nach 30 Jahren in den Ruhestand gingen. Und sie waren die besten Bewerber. Nicht nur, dass Gunda Erichsen ihre Erfahrungen mit dem Hallig-Leben mitbrachte, sondern auch ihr Hobby als Ornithologin, das sie nun als Vogelwartin auf Südfall zum Beruf machte. Dieses Hobby verdanke ich meinem Lehrer auf der Hallig Nordstrandischmoor, erzählte sie. Er weckte in mir das Interesse für die Vogelwelt. Gunda Erichsen ist heute beim Verein Jordsand (Zum Schutze der Seevögel und der Natur e.V.) angestellt. Sie hält Vorträge über die Vogelgebiete auf der Hallig Südfall, sie macht die Vogelbeobachtungen und Vogelzählung auf der Hallig. Wir haben auf Südfall 15 Arten Brutvögel davon allein 5 Arten Möwen. Ob Zwergseeschwalbe, Austernfischer, Rotschenkel oder Eiderente – die Vögel werden sektionsweise beobachtet und regelmäßig gezählt.

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Hallig Südfall mit Haupthaus und Stallgebäude
Foto: © Ulrich Göpfert

Das Watt ist ihre Heimat
Wind und Regen peitschen Gunda Erichsen ins Gesicht. Aber weder ihr noch Celina und Elien macht das wirklich etwas aus. In der Ferne ist die fast dreieckige Hallig Südfall schon zu sehen und auf ihr die künstlich aufgeschüttete Warft mit Haupthaus und Stallgebäude.

Jeden Tag reitet Gunda Erichsen mit ihren beiden Töchtern von Nordstrand rüber zur Hallig Südfall – und zurück. Sieben Kilometer durchs Watt, 40 Minuten Wegzeit für das Pferd Capris und die Ponys Anna und Peggy. Egal bei welchem Wetter, nur die Gezeiten bestimmen den Ritt übers Watt und ihr Leben.

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Soeben sind die Pferdekutschen mit den Gästen auf der Hallig angekommen
Foto: © Ulrich Göpfert

Zwei bis drei Pferdekutschen
mit Besuchern kommen in der Hauptsaison täglich auf die Hallig. 50 Gäste pro Tag haben wir dann schon mit den Kutschen. Hinzu kommen noch die Wattwanderer. Sie werden von den Erichsens mit Kuchen und Kaffee bewirtet, und Gunda Erichsen wird ihnen über die Hallig Südfall erzählen. Die Besucher können sich nur auf der Warft aufhalten, denn Südfall ist Naturschutzpark, Zone 1.

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Gunda Erichsen begrüßt die Gäste auf der Hallig Südfall
Foto: © Ulrich Göpfert

Ich bin auch gelernte Köchin und komme aus einer Gastwirtschaftsfamilie, erzählt Gunda Erichsen mit Blick auf die Gästebewirtung – und wieder hat man das Gefühl, dass sie auf der Hallig genau das gefunden hat, was sie suchte. Ich gebe eigentlich meine Kindheit an meine Kinder weiter – das bedeutet mir viel.

Land unter ist lebenswichtig für die Hallig
Während Gonne Erichsen die Arbeiten zum Erhalt der Hallig erledigt, managt Gunda den Rest. Ihr Mann setzt zusammen mit drei bis vier Kollegen Soden und Steine, zieht Gräben zur Entwässerung oder setzt Busch-Lahnungen und Buschmatten. Im Gegensatz zu seiner Frau lebt Gonne Erichsen die ganze Woche über auf der Hallig Südfall. Auch die Helfer meines Mannes können dann hier übernachten. Wenn sie zu dritt sind, können sie abends Skat spielen, grinst sie.

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Hinweistafel auf der Hallig
Foto: © Ulrich Göpfert 

Die drei Wintermonate wird die Hallig Südfall nicht bewohnt. Dann ist es hier auch einfach zu kalt. Strom gibt es auf der Hallig aus der Solaranlage oder aus Aggregaten. Nur zwei Räume des Hauses sind beheizbar, mit einem Ölofen und einem Holzofen. Schlechtes Wetter gibt es hier nicht wirklich, es sei denn, es regnet tage- oder wochenlang. Meistens ist auf Südfall aber besseres Wetter als auf dem Festland.

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Blick von der Hallig auf das Wattenmeer
Foto: © Ulrich Göpfert  

Dass 40- bis 50-mal im Jahr die Hallig untergeht, gehört für Familie Erichsen dazu, wie das Reiten über das Watt. „Land unter“ heißt, dass außer der erhöhten Warft, auf der das Haus steht, die Hallig von Wasser überlaufen ist. „Land unter“ ist gut für die Hallig. Immerhin wächst die Hallig mit dem Meeresspiegel. Im Jahr wächst sie ca. 1 bis 1,5 Zentimeter. Durch die Überflutung setzen sich Schlick und Sand auf der Hallig ab und erhöhen diese nach und nach.

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Für die Familie Erichsen ist die Hallig ein Stück Lebensraum
Foto: © Ulrich Göpfert 

Lebensraum Hallig
Gunda Erichsen ist ein Hallig-Mensch. Auch wenn sie seit etlichen Jahren mit zwei Wohnsitzen zurechtkommen muss – einen auf dem mit dem Festland verbundenen Nordstrand und einem auf Südfall. Mit der Schulzeit ihrer Kinder musste Gunda Erichsen auf die Insel Nordstrand ziehen – halbtags sozusagen.

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Da kann man es aushalten!
Foto: © Ulrich Göpfert 

Aber das Wochenende verbringt die ganze Familie auf Südfall. Und wenn möglich steht dann die Familie im Mittelpunkt – fischen, durchs Watt laufen, Boot fahren, Vögel beobachten. Geritten wird ja eh schon die ganze Woche. Die Erichsens haben mittlerweile die Hallig Südfall gepachtet – ein Stück Lebensraum, den sie sich hier verwirklicht haben.

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Die Gäste genießen den leckeren Kuchen von Gunda Erichsen
Foto: © Ulrich Göpfert 

Von Mai bis Oktober gibt es wenige freie Tage für die Erichsens. Zu sehr lockt das Fremde und Eigenartige auf der Hallig viele Besucher an. Die Gäste kommen und gehen – und sie nehmen nicht nur die Erinnerung an den leckeren Kuchen mit, sondern auch die Erzählungen und Geschichten von Gunda Erichsen, ihren Vögeln und der Seeschwalbe, die dicht über die Köpfe hinweg fliegt. „Sehen Sie, da bringt der Mann seiner Frau wieder einen Fisch“, sagt Gunda Erichsen.

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Auch ein Teich ist auf der Hallig zu sehen
Foto: © Ulrich Göpfert 

Bis zur Rente wollen Gunda und Gonne Erichsen auf jeden Fall auf der Hallig Südfall arbeiten und leben. Auch mit den Sturmfluten, die genauso dazugehören wie „Land unter“. Alle drei bis vier Jahre gibt es eine Sturmflut. Aber Angst hat hier keiner davor. Wenn Sturmflut ist, dann steht das Wasser vor dem Haus, und auch die Warft ist überflutet. „Bis zum Haus ist gut“, meint Gunda Erichsen trocken. Aber eben nicht weiter. Und wenn doch? „Dann gibt es einen Schutzraum im Haus. Das heißt, ein Raum ist extra auf Stelzen gebaut, und wenn das Haus weg bricht, sollte der Raum stehen bleiben – eigentlich.“ Schon allein wegen der Sturmfluten muss man für die Hallig gemacht sein, sonst würde das Leben hier draußen schnell zum Alptraum werden.

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Jetzt kehrt wieder Ruhe ein, denn die Gäste haben die Hallig Südfall verlassen,
zurück bleibt Gunda Erichsen mit ihrer Familie

Foto: © Ulrich Göpfert 

Für Gunda Erichsen gehört die Sturmflut aber hierher, wie die Vögel, das Watt und die Einsamkeit – so ist eben ihr Traum vom Hallig-Leben.

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Mit der Pferdekutsche von Nordstrand zur Hallig Südfall ist immer ein Erlebnis
Foto: © Ulrich Göpfert 

Hallig-Kutschfahrten

Mit der Kutsche von Nordstrand zur Hallig Südfall
Besucher haben nur im Rahmen von genehmigten Führungen Zutritt zur Hallig. Da täglich nur maximal 50 Personen auf die Hallig geführt werden, ist eine Anmeldung unbedingt erforderlich.

Anmeldungen
Täglich von 08:00 bis 12:00 Uhr unter Telefon +49(48 42) 300

Dauer der Wattfahrt:
3,5 Stunden. Die Mindestteilnehmerzahl beträgt 15 bis 20 Personen.
Die Fahrten sind von der Witterung abhängig.

www.halligen.de

Quellenhinweis: Nordsee-Magazin
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