Kümmelstollen am Andreastag

Kümmelstollen am Andreastag
Ein Vermächtnis das seit 1789 besteht, wird als Brauch
von der Gemeinde Lautertal aufrechterhalten

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Strahlende Augen und große Freude bei den Kindern und dem 1. Bürgermeister Hermann Bühling aus Lautertal anlässlich der Ausgabe der traditionellen „Kümmelstollen“ am Andreastag im Rathaus Lautertal.
Foto: 2012 © Ulrich Göpfert

Gemeinde Lautertal/Landkreis Coburg
Anlässlich des Andreastages am Freitag, 30. November 2012 wurden auch in diesem Jahr wieder traditionell Kümmelstollen an alle Lautertaler Kinder unter 15 Jahren von der Gemeinde verschenkt. 

Sehr zur Freude der zahlreich erschienenen Kinder, die teilweise in Begleitung ihrer Eltern gekommen waren, erfolgte am 30. November 2012 (Andreastag) pünktlich ab 13 Uhr die Verteilung der Kümmelstollen im Rathaus Lautertal. Etwas später in den Ortsteilen: Tiefenlauter, Neukirchen, Tremersdorf und Rottenbach.

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Bereits im Foyer des Rathauses verströmten 450 Kümmelstollen

einen betörenden Duft
Foto: 2012 © Ulrich Göpfert

450 Kümmelstollen wurden für diese schöne Tradition in diesem Jahr von der Gemeindeverwaltung Lautertal beim Bäcker in Auftrag gegeben. Ein schöner Brauch, den es noch lange zu erhalten gilt.

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Cindy Bühling war mit dem kleinen Theo ebenfalls zur Ausgabe im Rathaus erschienen
und beide freuten sich
sehr über das „duftende Backwerk“
Foto: 2012 © Ulrich Göpfert

Dieses Vermächtnis zu Gunsten der Gemeinde geht auf einen reichen Mann namens Andreas Ehrhardt aus Oberlauter zurück, dessen Kinder an Seuchen gestorben sind. In seinem Vermächtnis legte er fest, dass die Kinder zum Andenken an ihn jährlich einen Weck erhalten sollen.

Obwohl sein hinterlassenes Geld längst aufgebraucht ist, hat die Gemeinde diesen alten Brauch aufrechterhalten und schenkt jedem Kind einen Weck in Form eines Kümmelstollens (das ist ein Weißbrot mit etwas Kümmel auf der Kruste). 

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V.l.: Adrian, Kathrin Kellner und ihre Söhne Phil und Luca
holten die Kümmelstollen im Rathaus Lautertal ab.
Foto: 2012 © Ulrich Göpfert

Wie in der Ortschronik von 1866 zu lesen ist, machte Herr Andreas Ehrhardt von Oberlauter ein Vermächtnis mit folgendem Wortlaut:
„Nach der Bestimmung eines menschenfreundlichen wohlgesinnten Mannes, mit Namen Andreas Ehrhard von Oberlauter, welcher im Jahre 1789 -  50 Gulden fränkisch oder 62 Schilling, 30 Kronen süddeutsche Währung für die Kinder und  - 100 Gulden fränkisch  oder 125 Schilling süddeutsche Währung für die Vorsteher des Orts attestierte, wird zum Andenken an ihm jährlich am Andreastag an jedes Kind von der Geburt an bis zur Entlassung aus der Schule ein Weck verteilt. Die Vorsteher gedenken des Testamentsvollstreckers an diesem Tag in einer Mahlzeit.“

Andreas Ehrhardt wurde im Januar 1719 geboren. Gestorben ist er am 30. April 1790. Seine Ehefrau war Margaretha, Barbara geb. Müller, Tochter des ehemaligen Schulmeisters Müller in Unterlauter. Sie ist im Jahr 1788 verstorben.

1761 musste das Ehepaar am 4. Oktober einen Sohn, Johann Georg, 7 Jahre alt und am 8. Oktober, eine Tochter, 19 Jahre alt,  begraben. Viele Leute starben zu dieser Zeit an Ruhr und Blattern (7-jähriger Krieg).

Der Gemeinderat der Gemeinde Lautertal hat am 10. November 1970 einstimmig beschlossen, diesem Vermächtnis weiterhin zu entsprechen.
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