Geheimnisvolle Orte

Geheimnisvolle Orte
Der Bendlerblock
Dienstag, 6. Dezember 2011, 20:15 Uhr, Sender: RBB

Im Bendlerblock am Berliner Landwehrkanal, Sitz des Bundesverteidigungsministeriums, ging es immer wieder um deutsche Geschichte: Krieg oder Frieden, Diktatur oder Demokratie. Verschwörungen fanden in diesen Mauern statt - und Hinrichtungen.

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Der Ehrenhof des Bendlerblocks, in dem die Widerständler um Stauffenberg noch in der Nacht des 20. Juli 1944 erschossen wurden. Heute Gedenkstätte Deutscher Widerstand
Foto: 2011 © rbb/Bönnen/Endres

1911 wurde mit der Errichtung des Gebäudekomplexes im Tiergartenviertel begonnen. Der Neubau war für das Reichsmarineamt bestimmt, das unter Großadmiral Alfred von Tirpitz mit seiner Flottenrüstung und seinem Einfluss auf die Politik maßgeblich zum Konflikt mit England beitrug - und dadurch zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Nach dem verlorenen Krieg blieb weiter Militär in dem Gebäude, das Reichwehrministerium und die Heeresleitung zogen ein. Ihr Handeln war von Anfang an geheimnisumwittert. Das Militär war ein Staat im Staate, sorgfältig von der Öffentlichkeit abgeschirmt. Die Militärs hier standen der Weimarer Demokratie feindlich gegenüber, heimlich rüsteten sie entgegen den Bestimmungen des Versailler Vertrags auf und unterstützten illegale Wehrverbände. Viele Reichswehrangehörige begrüßten die Machtübergabe an Hitler, einige wenige aber, wie Kurt von Hammerstein-Equord, erkannten schon früh, dass Hitler Deutschland ins Unglück führen würde, und versuchten seine Kanzlerschaft zu verhindern.

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Heute ist der Baukomplex am Landwehrkanal der Berliner Sitz des Bundesverteidigungsministeriums. - Der Hof des Bendlerblocks am Morgen nach der Hinrichtung der Widerständler
Foto: 2011 © rbb/Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Im Nationalsozialismus wurde aus dem Reichswehrministerium im Bendlerblock das Reichskriegsministerium - und der Krieg folgte bald nach. Im Bendlerblock saßen das Allgemeine Heeresamt des Oberkommandos des Heeres und die Leitung des Ersatzheeres. Claus Schenk Graf zu Stauffenberg war dafür zuständig, immer neuen Ersatz für die Verluste an den Fronten zu organisieren. Im Bendlerblock wurde das Attentat vom 20. Juli 1944 vorbereitet, von hier sollte der Umsturz geleitet werden. Als die "Operation Walküre" scheiterte, wurden noch in der Nacht des 20. Juli im großen Hof die ersten Widerständler um Stauffenberg erschossen. Am Denkmal für die Erschossenen vorbei gehen heute die Offiziere aus dem Verteidigungsministerium zum Essen in die Kantine.

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Heute ist der Baukomplex am Landwehrkanal der Berliner Sitz des Bundesverteidigungsministeriums. - Der Hof des Bendlerblocks am Morgen nach der Hinrichtung der Widerständler
Foto: 2011 © rbb/Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Der Film von Ute Bönnen und Gerald Endres zeigt die spannende Geschichte eines großen Gebäudekomplexes im Herzen Berlins, ein Nebeneinander von Ministerium und historischem Gedenken, von Soldaten und Touristen. Der Film erzählt die Geschichte eines Ortes, an dem es auch heute wieder um Krieg und Frieden geht. Hildur Zorn, eine Tochter Kurt von Hammersteins, erzählt vom Leben als Kind in der Dienstwohnung im Bendlerblock, und wie ihr Vater als Chef der Heeresleitung zu Hitler stand, Karsten Hansen beschreibt, wie sein Vater als leidenschaftlicher Soldat zum Widerstand kam und Rudolf Georgi, ein Enkel des im Bendlerblock hingerichteten Friedrich Olbricht, beschreibt, wie die Hinterbliebenen der Widerstandskämpfer in den ersten Jahren der Bundesrepublik um Anerkennung und Pensionen streiten mussten.

Hinweis

Vor ein paar Tagen habe ich einen Beitrag über Georg Alexander Hansen - Er leistete aktiv Widerstand im Dritten Reich auf meiner Internetseite eingestellt.

Sehen Sie bitte hierzu den u.a. LINK:
http://ulrich-goepfert.de/index.php?option=com_content&task=view&id=8537&Itemid=82

In der Fernsehsendung am 06. Dezember 2011 des RBB:  „Geheimnisvolle Orte“ – Der Bendlerblock kommt u.a. sein Sohn Dr. Karsten Hansen zu Wort.
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