Lustig ist das Zigeunerleben..

Lustig ist das Zigeunerleben....
"Dörfles-Esbacher“ erweckten eine Sage zum Leben

Dieses Bild zeigt den verunglückten Zigeunerwagen mit Besatzung in Dörfles-Esbach. Das Ölgemälde hing Jahrzehnte in der ehemaligen Gastwirtschaft von Raimund Büchner.
Repro: Ulrich Göpfert

Ob das "Zigeunerleben“ immer lustig war oder ist, mag dahingestellt sein. Eines steht jedenfalls fest, die "Dörfles-Esbacher“ sind fest verwurzelt mit ihrer "Vergangenheit“.

Was viele schon wussten:

Die "Dörfles-Esbacher“ stammen von den Zigeunern ab, so sagt jedenfalls der Volksmund. Eine überlieferte Sage berichtet, dass eine Zigeunerfamilie mit ihrem Planwagen am "Teufelsberg“ in Dörfles-Esbach verunglückte.

Was war passiert ?

Auf dem Weg von Coburg nach Oeslau brach in Dörfles-Esbach ein Rad am Wagen der Zigeunerfamilie. Nachdem diese kein Geld zur Reparatur hatte, blieb der Familie nichts anderes übrig als die gestürzten Pferde zu schlachten und mit den wenigen Töpfen und Pfannen und sonstigen Hausrat den man mit sich führte, wurden die Zigeuner in Dörfles-Esbach sesshaft.

Diese Begebenheit wurde in Form eines Ölbildes festgehalten. Dieses hing Jahrzehnte lang in der Gastwirtschaft Raimund Büchner in Dörfles-Esbach. Mir ist es ist es gelungen dieses Bild ausfindig zu machen.

Das es die Dörfles-Esbacher niemals gestört hat, wenn man über sie spöttisch behauptete "Ihr stammt ja von den Zigeunern ab“, zeigt die Tatsache, dass sich bereits in den 1960iger Jahren auf Initiative von Willy und Raimund Büchner eine Gruppe mit der Bezeichnung: "Die Dörfles-Esbacher mit ihrem Zigeunerwagen“ gründete. Anlass war ein Ortsjubiläum des Nachbarortes Waldsachsen.

Das passende "Outfit“, das einen waschechten Zigeuner ausweist, hatten die fleißigen Frauen der Darsteller kurzerhand selbst geschneidert. Einziges Problem war, wo bekommt man schnell einen Planwagen dazu her. Die "Waldsachsener Nachbarn“ konnten den Dörfles-Esbachern bei der Lösung des Problems behilflich sein und stellten einen Leiterwagen zur Verfügung . Somit war der erste erfolgreiche Auftritt "der Zigeuner aus Dörfles“ gesichert.

Nach diesem Erfolg ging man daran, im gesamten Coburger Landkreis ein Gefährt aufzutreiben, auf dem zirka 20 Personen transportiert werden konnten. Dabei leisteten Georg Görbert und Willy Büchner ganze Arbeit. Fünf reparaturbedürftige Leiterwagen wurden ausfindig gemacht und in mühsamer Arbeit von allen Akteuren ein für die "Zigeuner“ ansprechender und tauglicher Planwagen hergestellt. Die Zugpferde für den Planwagen werden regelmäßig von Kuno Frey aus Burggrub zur Verfügung gestellt.

Ein solches Unternehmung kostet natürlich Geld . Dies konnte durch eine Vorfinanzierung des Schützenverein Dörfles-Esbach absichert werden. Untergestellt war der Planwagen in den Anfangsjahren im Anwesen von Willy Büchner. In den 1990ziger Jahren fand man Einstellmöglichkeit beim Schützenverein. Wie es sich für "anständige Zigeuner“ gehört, werden bei den Ausfahrten und Auftritten selbstverständlich reichlich Proviant in Form von: Bier, Schnaps, Limo, Bratwürsten und Hausmacher Wurst usw. mitgeführt. Dieser Proviant dient nicht nur für den Eigenbedarf, sondern wird dem Publikum angeboten und verkauft. Aber nicht nur dass wird von den "Zigeunern“ vermarktet, sondern auch Teppichreste die zu Fußabtretern umgearbeitet werden. Meistens wird ein Bratwurstrost und ein großes Dreibein mit Pfanne im Planwagen mitgeführt, auf diesem werden die Speisen gebraten und gekocht. Das Unternehmen "Zigeuner“ ist somit bestens ausgestattet. Aus den Verkaufserlösen werden die Kosten für die Unterhaltung der Pferde usw. bestritten. Die Stammbesatzung der "Zigeuner“ aus Dörfles-Esbach in den ersten Jahre seit dem Bestehens waren:

Willy Büchner, Raimund Büchner (Schifferklavier), Familie Görbert, Inge Nahr, Horst Fischer, Ilse Schott, Ilse Autsch, Günther Weigand (Teufelsgeige) - später wurde die Teufelsgeige von Wolfang Nahr gespielt. Außerdem waren mit dabei: Familie Bähring, Wolfgang Büchner (Schifferklavier), Familie Rolf Bätz und Manfred Röser, Ruth Morgenroth, Siegfried Maisel und Adolf und Helga Hanus. Dabei war außerdem ein gewisser Rudi mit seinem Hund. Der Nachnamen konnte nicht mehr in Erfahrung gebracht werden. Auch gehörten zu den Auftritten der "Dörfles Zigeuner“ die Friedenstauben (Brieftauben), die man bei den Veranstaltungen aufsteigen ließ dazu. Diese Tauben wurden von Heinrich Wegner zur Verfügung gestellt.

Bekannt wurden die Dörfles-Esbacher Zigeuner u.a. beim Mitwirken anlässlich des Friedensfestes in Meeder und Veranstaltungen in Seßlach, Neuses an den Eichen, Grub am Forst, Waldsachsen, Oeslau. Außerdem nahmen sie beim ersten Faschingsumzug in der Stadt Coburg teil. Bei diesem Umzug herrschten fast 30 Grad Minus und man wärmte sich reichlich mit Schnaps auf, damit keine Erfrierungen auftreten konnten, wie uns Mitglied Siegfried Weser bei der Aufnahme der Reportage augenzwingernd versicherte. Dabei wurde auf dem Marktplatz in Coburg auf dem mitgebrachten Rost die Bratwürste gebraten und in einem Kessel kleine Würstchen zubereitet, die an die Kinder kostenlos abgegeben wurden.

Die weiteste Fahrt wurde nach Rossfeld bei Bad Rodach unternommen, wobei solch ein Regenwetter herrschte, dass man bereits bei der Ankunft in Rossfeld völlig durchnässt war. Auch langten die 100 Bratwürste nicht, die man eingepackt hatte, sodass kurzerhand Bockwürste auf dem Rost zu "Curry-Würsten“ umfunktioniert und verkauft wurden. Leider hatte die Sache einen Haken, man hatte zwar für die Bratwürste Senf mitgenommen, aber für die“improvisierten Curry-Würste“ kein Ketchup dabei. Aber da ja die Rossfelder Einwohner sehr flexibel sind, konnte kurzerhand dieses Mango durch das von den Dörflesern erbettelte Ketchup abgestellt werden.

Von einer Anekdote anlässlich der Teilnahme an einem Friedensfest in Meeder muß unbedingt berichtet werden:

Nachdem viele Festzugteilnehmer dieses Fest und den Umzug mit gestalteten, war es aus Platzgründen notwendig, dass die Aufstellung des Festzuges bereits in der Ortschaft Wiesenfeld erfolgte. Da einige Damen der Dörfles-Esbacher ein dringendes Bedürfnis hatten, suchten sie in der Nachbarschaft ein Haus auf und baten, die Toilette benutzen zu dürfen. Dies wurde ihnen mit den folgenden Worten des Hauseigentümers abschlägig beschieden: "Mir lossen doch kenna Zigeuner bei uns aufs Klo !“

Nach den Auftritten wurden die "Dörfles-Esbacher Zigeuner“, je nach Fahrtroute bei ihrer Heimkehr in Dörfles-Esbach in der Gastwirtschaft Raimund Büchner oder in Bertelsdorf bei der "Fanny“ sowie in Esbach von der Familie Stübler (Gastwirtschaft Morgenthum) bewirtet.

Der Zigeunerwagen wird derzeit von der Gemeinde Dörfles-Esbach unterhalten und bei Festen und sonstigen Anlässen zur Verfügung gestellt. Managerin der jetzigen "Zigeuner-Truppe“ ist die Gemeinderätin Inge Nahr. 

Die Besatzung des "Dörfles-Esbacher Zigeunerwagens“ bestand u.a. aus Inge Nahr, Helga Hanus, Stefan und Petra Wegner, Jürgen Faust, Familie Görbert, Ursula und Reinhard Wegner,Uwe Müller-Stedefeld, Sabrina Müller-Stedefeld, Edda Sommer, Renate Hockcz (Handleserin) Ursula und Siegfried Weser, Hubert und Roswitha Schwämmlein, Wolfgang Büchner (Schifferklavier), Martha Hansel, Gerda Heffner, Ilse Marschneider, Melanie und Michael Hanus als neuer Schifferklavierspieler konnte Bernd Walter gewonnen werden.

"Lustig ist das Zigeunerleben, brauchst dem Kaiser kein` Zins zu geben“...
Vielleicht erreichen es die Akteure eines Tages aufgrund ihrer Leistungen von Steuern und Abgaben befreit zu werden.


Aber dieser Wunsch wird wohl Utopie bleiben.

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