EUGEN ONEGIN

Landestheater Coburg
EUGEN ONEGIN 
Oper von Peter I. Tschaikowsky
Zum letzten Mal

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Szenenfoto: Eugen Onegin
Foto: 2014 © Landestheater Coburg/Andrea Kremper

„Ich suche ein intimes, aber starkes Drama, das auf Konflikten beruht, die ich selbst erfahren oder gesehen habe, die mich im Innersten berühren können“, schrieb Peter Tschaikowsky und wandte sich mit seiner Oper „Eugen Onegin“ bewusst von den historischen Stoffen und nationalen Mythen um Herrscher, Volksaufstände und Schlachten der großen Oper ab. In einem Brief vom 18. Mai 1877 an seinen Bruder Modest fügte er mit einem Seitenhieb auf Verdis „Aida“ hinzu, wie froh er sei, „all die
äthiopischen Prinzessinnen und Pharaonen mit ihrem unnatürlichen Gehabe loszuwerden“. Stattdessen fand er in Alexander Puschkins gleichnamigen Versroman, der zwischen 1825 und 1833 erschienen ist, ein Meisterwerk des feinen, subtilen Tons, das auch als „Enzyklopädie des russischen Lebens“ bezeichnet wurde. Es diente ihm als Vorlage für sein musikalisches Porträt von vier jungen Menschen, die alle auf ihre Weise ihren Platz im Leben suchen und sich am Ende von ihren ursprünglichen Lebensentwürfen verabschieden müssen.

Was Tschaikowsky, der damals nicht nur eine glühende Liebesbeziehung zu seinem ehemaligen Schüler Iosif Kote hatte, sondern – mit katastrophalen Folgen – auch einen dreimonatigen Eheversuch mit Antonia Miljukowa unternahm, interessierte, waren die psychologisch glaubhaften Gefühlsbewegungen verliebter Menschen und diese inneren Gefühlszustände in Musik zu setzen. In „Eugen Onegin“ geht es um nichts Geringeres als um verpasste Lebenschancen. Vor dem Hintergrund einer ernüchternden Lebenswirklichkeit entfaltet Tschaikowsky in der Konstellation von Tatjana, Eugen Onegin, Olga Extreme, aus dem sich ein Spiel aus Liebe und Abweisung entspinnt.

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Szenenfoto: Eugen Onegin
Foto: 2014 © Landestheater Coburg/Andrea Kremper

Erzählt wird das Geschehen letztlich aus drei Perspektiven: Die schwärmerische, zur Melancholie neigende Tatjana lebt in den idealisierten Liebeswelten ihrer Bücher, bis sie dem dandyhaften Eugen Onegin begegnet, auf den sie plötzlich all ihre angestauten Gefühle projiziert. In einem nächtlichen Monolog entfaltet sie in einem Brief an ihn das ganze Panorama dieser Emotionen. Er jedoch weist sie zurück und gibt sich als liebes- und beziehungsunfähiger Zyniker zu erkennen. Für Tschaikowsky wird diese Briefszene, in der Tatjana entgegen aller Konventionen Onegin ihre Liebe erklärt, zur Keimzelle des Werkes – von Puschkin noch durchaus distanziert beschrieben („Ihr Russisch konnte wenig gelten,/ Journale las sie auch nur selten“), verwandelt sich Tatjana durch die unendliche Gefühlstiefe und Emotionalität der Musik in eine der großen Liebenden der Opernliteratur.

Der Dichter Lenski, der Tatjanas Schwester Olga von Eifersucht getrieben glühend liebt, lässt sich durch Onegins dekadente Unangepasstheit zu einer Duellforderung provozieren, der er selbst zum Opfer fällt. Onegin, durch seinen Mord an Lenski erschüttert und endlich auch zu (Schuld-) Gefühlen fähig, entdeckt seine Leidenschaft für Tatjana erst, als diese durch ihre Ehe mit dem Fürsten Gremin für ihn in unerreichbare Ferne gerückt ist. Tatjana, die nie aufgehört hat, Onegin zu lieben, bekennt sich zu ihrer Ehe, und so vollzieht sich die Tragödie dieser Oper im stillen Verzicht: Es ist die untergründige Grausamkeit des alltäglichen Lebens, die in diesem Kammerspiel portraitiert wird.

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Szenenfoto: Eugen Onegin
Foto: 2014 © Landestheater Coburg/Andrea Kremper

EUGEN ONEGIN
Oper von Peter I. Tschaikowsky
In russischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Inszenierung
Konstanze Lauterbach

Bühnenbild
Gabriele Vöhringer

Kostüme
Konstanze Lauterbach

Mit

Gabriela Künzler (Larina, Gutsbesitzerwitwe)

Betsy Horne (Tatjana, ältere Tochter)

Verena Usemann (Olga, jüngere Tochter)

Mojca Vedernjak (Filipjewna, Amme)

Milen Bozhkov (Lenski)

Benjamin Werth (Eugen Onegin)

Sascha Mai/Marino Polanco (Triquet, ein Franzose)

Michael Lion (Fürst Gremin)

Sergiy Zinchenko (Saretzki, Sekundant)

Sergiy Zinchenko (Ein Hauptmann)

Marino Polanco (Ein Vorsänger)

Chor des Landestheaters
Philharmonisches Orchester Landestheater Coburg

Weitere Vorstellungen

Samstag,      08. Februar 2014,  19:30 Uhr - zum letzten Mal

Weitere Informationen:

Landestheater Coburg
Schlossplatz 6, 96450 Coburg
Telefon +49 (0)9561 / 898900
Telefax +49 (0)9561 / 898929
E-Mail
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