Woyzeck

Landestheater Coburg
WOYZECK
Schauspiel von Georg Büchner mit Ballett
Bayerische Theatertage Erlangen

Ausgerechnet Theaterbaumeister Karl Balthasar Harres machte Coburg 1850 auch baulich zur Garnisonsstadt. Er baute die Domäne Herrenhof zur Kasernenanlage aus, damit die Coburger Füsiliere auf moderne Weise ausgebildet und untergebracht werden konnten. Dass ausgerechnet hier nach Kriegsende 1945 viele der sogenannten „displaced persons“ unterkommen konnten, führt zu einer weiteren Verbindung zwischen Kultur und einem Stück zerriebener Gesellschaft: dem Dramenfragment „Woyzeck“ von Georg Büchner.

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Szenenfoto: „Woyzeck“
Foto: 2013 © Landestheater Coburg/Henning Rosenbusch

In „Woyzeck“ stehen die beiden Ensembles zum ersten Mal gleichberechtigt miteinander auf der Bühne. Tänzer wie Schauspieler verkörpern die zahlreichen Figuren des Stücks; die Hauptfiguren Woyzeck und Marie werden von einem Schauspieler (Mathias Renneisen) und einer Tänzerin (Emily Downs) gespielt.

Und natürlich erproben sich nicht nur die Tänzer in der Schauspielerei (in ihrer jeweiligen Muttersprache), auch die Schauspieler sind selbstverständlich in die Bewegungschoreografien von Tara Yipp integriert. Aus dem Aufeinandertreffen zweier verschiedener Bühnensprachen entsteht so ein Gesamtbild von Bewegung und Text – und Georg Büchners kraftvolles, bildhaftes Dramenfragment kommt zu einer ganz neuen Intensität.

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Szenenfoto:
„Woyzeck“
Foto: 2013 © Landestheater Coburg/Henning Rosenbusch

Wenige Monate vor seinem viel zu frühen Tod begann Büchner, dessen Geburtstag sich am 17. Oktober 2013 zum 200sten Mal jährt, mit der Arbeit an seinem heute bekanntesten Stück. Angeregt wurde Büchner durch den historischen Fall des Soldaten Johann Christian Woyzeck, der 1821 seine Geliebte umbrachte, nachdem ihm „Stimmen“ die Tat befohlen hatten. Büchner verarbeitet den Kriminalfall zu einer dramatischen Untersuchung dessen, was „in uns lügt, mordet, stiehlt“. Büchners Woyzeck ist ein Gedemütigter, ein Habenichts, der zur Erhaltung seines und des Lebens seines Kindes gezwungen ist, sich zu medizinischen Experimenten erniedrigen zu lassen, dem der Hauptmann moralische Belehrungen erteilt, der mit ansehen muss, wie ihm seine Geliebte von einem nur wenig besser Gestellten weggenommen wird. Schließlich entlädt sich der auf Woyzeck lastende Druck in die Tat: Er ersticht seine Geliebte Marie.

Büchner stellt einen von der Gesellschaft ins Abseits Gedrängten ins Licht der Bühne – fünfzig Jahre vor der naturalistischen Theaterrevolution durch Gerhart Hauptmann wird in „Woyzeck“zum ersten Mal das Schicksal eines Menschen am unteren Rand der Gesellschaft zum Gegenstand eines Theaterstücks, das allerdings erst vierzig Jahre nach Büchners Tod im Druck veröffentlicht und 1913 zum ersten Mal aufgeführt wurde. Der Mediziner Büchner dokumentiert mit akribischem Blick die Faktoren, die einen Menschen zur Verzweiflungstat treiben. Dabei ist Woyzeck nie einfach Opfer, Büchner entschuldigt seine Tat nicht durch die Erniedrigungen, die ihm zugefügt wurden.

Die Tat Woyzecks bleibt rätselhaft; die Frage „warum“ bleibt trotz aller möglichen psychologischen Erklärungen offen. Dass dieser erschütternde Blick in die Abgründe der menschlichen Freiheit dennoch nicht schwer wird, dafür sorgt Büchners großes satirisches Talent, das nicht nur in den Begegnungen Woyzecks mit Doktor und Hauptmann die gesellschaftskritische Erkenntnis zum großen Vergnügen macht.

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Szenenfoto:
„Woyzeck“
Foto: 2013 © Landestheater Coburg/Henning Rosenbusch

WOYZECK
Schauspiel von Georg Büchner mit Ballett

Inszenierung
Matthias Straub

Choreografie
Tara Yipp

Bühnenbild und Kostüme
Udo Herbster

Mit

Mathias Renneisen (Woyzeck)

Emily Downs (Marie)

Niko Ilias König (Kind)

Nils Liebscher (Hauptmann)

Nikolaus Scheibli (Doktor)

Adrian Stock (Tambourmajor)

Mariusz Czochrowski (Unteroffizier)

Takashi Yamamoto (Andres)

Natalie Holzinger (Margreth)

Chih-Lin Chan (Käthe)

Po-Sheng Yeh (Großmutter)

Weitere Vorstellungen
 

Donnerstag,  22. Mai 2014 - 19:00 Uhr


Weitere Informationen

Landestheater Coburg
Schlossplatz 6, 96450 Coburg
Telefon +49 (0)9561 / 898900
Telefax +49 (0)9561 / 898929
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