Das Geheimnis der Päpstin

Das Geheimnis der Päpstin 
Ein Skandal und seine Geschichte
Dokumentation von Daniel Sich und Christel Fomm
Ostermontag, 09. April 2012, 19.30 Uhr im ZDF

Vorwort von
Dr. Reinold Hartmann
Leiter der Redaktion Kirche und Leben evang.

Und es gibt sie doch!
Eine Frau regiert im Vatikan und ist Herrscherin über einen großen Teil der Christenheit. Eine Frau kommt ganz nach oben, macht Karriere und meistert alle Hindernisse einer Männergesellschaft. Das ist der Stoff, aus dem Filme gemacht werden, ganz heutig und modern, und noch immer so ungewöhnlich, dass das Rechtschreibprogramm meines Computers das Wort "Päpstin" ständig rot unterstreicht. Nicht vorgesehen und deshalb nicht akzeptiert.

Doch es gab die Päpstin über Jahrhunderte hinweg:
in den Aufzeichnungen des Dominikanermönchs Martin von Troppau aus dem 13. Jahrhundert, als Papstbüste in einer römischen Kirche oder in der Polemik Martin Luthers gegen die katholische Kirche. So märchenhaft und so monströs ist der Aufstieg des jungen Mädchens zur Päpstin, so glühend die Bewunderung und so heftig die Ablehnung, dass die Frau historische Gestalt annimmt. Sie wird zur tatsächlichen Projektionsfläche von Sehnsucht und Abscheu. Ob als anmaßende Grenzüberschreiterin oder weibliche Identifikationsfigur, im Spiegel der historischen Quellen bekommt sie historische Wirklichkeit, gerade auch wenn die Existenz der Päpstin Johanna geleugnet wird.

Gab es die Päpstin also wirklich? Natürlich gab es sie
Die Kategorie des Historischen im Sinn des rein faktischen Vorhandenseins greift zu kurz, denn nicht allein das, was tatsächlich da ist, zählt, sondern was unsere Sehnsucht wünscht und wovor wir Angst haben, das bestimmt den Lauf der Geschichte. Diese Kräfte, dieses Drehmoment der Geschichte, will die vorliegende Dokumentation sichtbar machen. Es werden Indizien und Beweise gesucht, Spuren aufgenommen, Belege gefunden.

Der Film sucht nach den Antriebskräften und Beweggründen, die aus einer Frau die Heldin auf dem Heiligen Stuhl oder die anrüchige Skandalfrau machen. So sagen die Rechercheergebnisse mehr über den historischen Betrachter als über die Person Johanna aus.

Heute scannen wir die Geschichte noch einmal ganz anders
Wir suchen das Emanzipationsdrama und streben nach Gerechtigkeit und Gleichberechtigung in Gesellschaft und Kirche. Deshalb sehen wir in Johanna ein so modernes und bewegendes Schicksal. Es schlummert noch verborgen im sogenannten Saeculum obscurum, dem dunklen Zeitalter.

All dies gilt es nur noch zu entdecken.

Das Geheimnis der Päpstin
Ein Skandal und seine Geschichte
Dokumentation
Ostermontag, 9. April 2012, 19.30 Uhr im ZDF

Buch Daniel Sich
Regie Christel Fomm, Daniel Sich
Kamera Roland Breitschuh
Produktion Uwe Kersken
Gruppe 5 Filmproduktion GmbH, Köln
Redaktion Ingo Witt
Länge ca. 45'

Mitwirkende
Päpstin: Johanna Victoria Deutschmann
Presenterin: Petra Gerster

01.jpg
Päpstin in Amtstracht
Foto: 2012 © ZDF/Roland Breitschuh

Ist dem Vatikan vor über 1000 Jahren tatsächlich eine Frau durchgeschlüpft? Oder ist die Frau, die das höchste aller Männerämter erobern konnte, nur eine schöne Legende und Stoff für Millionenbestseller?

In einer ZDF-Dokumentation geht die Journalistin und "heute"-Moderatorin Petra Gerster dem Geheimnis der Päpstin auf den Grund.

"Als Papst Leo im August 855 starb, folgte ihm Johanna, das Weib, das zwei Jahre, fünf Monate und vier Tage auf dem Stuhl Petri saß." In über 500 Chroniken finden sich Berichte über die Päpstin Johanna, die in der offiziellen Kirchengeschichte heute mit keinem einzigen Wort erwähnt wird. Warum wurde die Geschichte für die einen zum Skandal, während andere in Johanna eine Heldin und Heilige erblickten?

02.jpg
Papst Johannes VII / Päpstin auf Papst-Thron mit Hirtenstab
umringt von Geistlichen
Foto: 2012 © ZDF/Roland Breitschuh

Petra Gerster begibt sich wie eine Kriminalistin auf Spurensuche im "Fall Johanna". Erfanden böswillige Protestanten die Geschichte, um das Ansehen des Papsttums zu untergraben? Aber gibt es nicht Hinweise und Indizien, dass Johanna tatsächlich gelebt hat und Papst wurde?

In ihrem virtuellen Labor bedient sich Petra Gerster modernster Ermittlungsmethoden, sie prüft Bildindizien, sichtet päpstliche Dokumente, befragt Sachverständige und lässt die Tatumstände rekonstruieren, die der Dominikaner Martin von Troppau in seiner spätmittelalterlichen "Chronik der Päpste und Kaiser" aufschrieb.

03.jpg
Menschenmenge, Träger tragen Thron mit Päpstin.
Foto: 2012 © ZDF/Roland Breitschuh

Seine Geschichte der Päpstin ist die einer klugen und wissbegierigen Frau, die sich nicht einschüchtern lässt von der Lehre der Kirche, dass Frauen minderbemittelte Geschöpfe seien. Als Mann verkleidet, wird sie zum Papst gewählt. Als der beliebte Papst während einer Prozession durch Rom zusammenbricht und ein Kind gebiert, ist die Sünderin auf dem Heiligen Stuhl entlarvt.

Gibt es Spuren von der Päpstin Johanna an dem Ort, an dem die Legende ihren Anfang nahm?
Ihre Nachforschungen führen Petra Gerster nach Siena und Rom, wo sie auf eine Reihe von Indizien stößt, die Zweifel an der offiziellen Geschichtsschreibung der Kirche wecken. Warum änderten ihre Nachfolger den traditionellen Prozessionsweg durch die Heilige Stadt? Was ist mit der Päpstinnen-Statue in Rom passiert, die der Reformator Martin Luther noch mit eigenen Augen sah? Und weshalb wurde später per Handgriff geprüft, ob der Bewerber um das Amt des Nachfolgers Petri auch eine nach der heiligen Ordnung bestückte Männlichkeit hat?

Für das Geheimnis der Päpstin werden viele Indizien ins Feld geführt, doch die kritische Wissenschaft verweist Johanna kategorisch ins Reich der Legenden. Aber die Frage bleibt, warum sich die Geschichte der Päpstin Johanna so hartnäckig halten konnte und bis heute für viele von großem Interesse geblieben ist.

Petra Gersters Ermittlungen enthüllen Schritt für Schritt das Bild einer Vorkämpferin der Frauenemanzipation, die gegen alle Widerstände in der Kirche Karriere machte.

In aufwändigen Reenactments werden Schlüsselszenen des dramatischen Lebens dieser mittelalterlichen Frauenfigur nachgestellt. Die Schauspielerin Victoria Deutschmann gibt der Päpstin Johanna ihr Gesicht.

Noch ein Hinweis in eigener Sache:
In der morgigen Ausgabe können Sie auf meiner Internetseite einen Beitrag lesen über:

 „Die Päpstin“ – Das Musical
Besuch einer Aufführung des Musicals im Jahr 2011
im Schlosstheater Fulda

Im Jahr 2012 wird dieses Musical in Fulda und Hameln gespielt.

Copyright © 2020 Ulrich Göpfert. Alle Rechte vorbehalten.
Joomla! ist freie, unter der GNU/GPL-Lizenz veröffentlichte Software.