Requiem

Requiem
von Dirk Kruse

Buchtipp

 

Von Simone Schülein

 

Die Morde sind grotesk inszeniert: Tote sind in Hakenkreuzfahnen eingewickelt, haben SS-Runen in die Haut geritzt. Dirk Kruses zweiter Roman um Hobbydetektiv Frank Beaufort spielt im rechtsextremen Milieu. Auf den Spuren eines Serienmörders ermittelt er auf gefährlichem Terrain: dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände.

 

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2009 © BR- Studio Franken/Simone Schülein

 

Nürnberg, Reichsparteitagsgelände, Vorplatz der Ehrenhalle

Wenn man nach rechts und links schaut sieht man Granitstehlen, wenn man sich umdreht, meterhohe Arkaden. Hier beginnt der Kriminalroman "Requiem" und hier wird an einem verregneten Sonntagnachmittag die erste Leiche gefunden. "Die Leiche ist in eine blutige Hakenkreuzfahne eingewickelt und trägt einen aufgemalten Hitlerschnauzer auf der Lippe", erzählt Autor Dirk Kruse. "Es ist ein junger Neonazi aus Baiersdorf, der da ermordet wurde."

 

Und es dauert nicht lange, da bekommt auch Frank Beauforts die Geschichte mit. Er ist der Hauptprotagonist in dem Roman, den wir schon aus dem ersten Roman von Dirk Kruse "Tod im Augustinerhof" kennen. Zusammen mit seiner Freundin, eine Journalistin, macht er sich auf die Suche nach dem Täter. Anne Kamlin geht mit Beaufort an diesen Ort, muss sich erst mal mit dem Ort und der Neonazi-Szene auseinandersetzen. Bei seiner Suche kommt er unter anderem auch auf das Volksfest. Im Ochsenzelt begibt sich Frank Beaufort auf Verbrecherjagd. "Als Beaufort hier reinkommt verfolgt er ein älteres Paar, das ihm schon bei Recherchen in der Neonazi-Szene aufgefallen ist", erzählt Kruse. Über dieses Paar erhält er Informationen über einen weiteren Mordanschlag auf der Zeppelintribüne.

 

Textauszug

"Er war vollständig nackt. Sein Körper war über und über mit Stichen und Schnitten versehrt. Auf seiner hageren Brust war eine blutige SS-Rune eingeritzt. Wenn der Wind dort oben durch sein schütteres Haar strich, schien der Tote für Momente wieder zum Leben zu erwachen."

 

Alle Leichen sind verunstaltet. Da stellt sich sicherlich der eine oder andere Leser die Frage, ob das sein muss? Und muss das an diesem historisch belasteten Ort sein? "Die Frage kann man sich stellen. Mich inspirieren Orte für meine Kriminalromane und wenn man diesen Ort hier kennt, dieses Reichsparteitagsgelände, das schrie danach, dass das auch mal kriminalistisch verarbeitet wird", sagt Dirk Kruse. Er habe das in diesem Krimi auf unterhaltsame Weise getan. "Ob man das darf oder nicht, muss der Leser entscheiden. Ich glaube, man kann diesen Krimi lesen, sich unterhalten und auch gelacht haben und am Ende eine Menge über die Neonazi-Szene und über die deutsche Vergangenheit lernen." Und das, so Kruse, sei doch ein netter Nebeneffekt.

 

Quelle: BR-online

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