Gebeine der Dunkelgräfin ruhen wieder im Grab

Gebeine der Dunkelgräfin ruhen wieder im Grab
Sterbliche Überreste der geheimnisvollen Dunkelgräfin
erneut bestattet

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Ein Blick vom Schulersberg auf die Stadt Hildburghausen
2013 © Ulrich Göpfert

Hildburghausen
In Hildburghausen sind die sterblichen Überreste der geheimnisvollen Dunkelgräfin erneut bestattet worden. Sie ruhen in einer versiegelten Gebeinskiste, die mit einem Gesteck aus weißen Lilien in die Grabkammer gesenkt wurde. Zwei Geistliche der evangelischen und der katholischen Kirche führten durch die Zeremonie der Wiederbestattung. Zu der Trauerfeier waren etwa 50 Gäste zum Schulersberg bei Hildburghausen gekommen. Etliche verweilten kurz am geöffneten und restaurierten Grab, warfen Blütenblätter hinein.

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Grab der Dunkelgräfin am Schulersberg in Hildburghausen
Archivbild: 2013 © Ulrich Göpfert

Bisherige Forschungsbemühungen vollenden
Bürgermeister Steffen Harzer erklärte, seit mehr als 150 Jahren bemühten sich Forscher, dem Geheimnis der Dunkelgräfin auf die Spur zu kommen. Eine Graböffnung im Jahr 1891 habe aber lediglich ergeben, dass sich im Grab die Gebeine einer älteren Frau befinden. Damals habe es naturwissenschaftliche Methoden, wie DNA-Analysen, noch nicht gegeben. "Möge die Dunkelgräfin ihren Frieden finden und die Wahrheit über ihr Leben ans Licht kommen", sagte Harzer in seiner Ansprache.

Die Forscher, die sich in den vergangenen Jahren auf Symposien und in Hildburghausen mit der Dunkelgräfin beschäftigt hätten, seien zu keinem eindeutigen Ergebnis gekommen - sie hätten nur vermuten können. So auch die Ehrenbürgerin von Hildburghausen, Helga Rühle von Lilienstern. Sie habe einen großen Teil ihres Lebenswerkes der Erforschung des Geheimnisses gewidmet. Für sie habe immer festgestanden, dass es sich bei der Dunkelgräfin um Madame Royale handle.

Ob das wirklich so ist, wird laut Harzer das gemeinsame Projekt von Stadt und MDR klären
Es sei eine große Chance, die bisherigen Forschungsbemühungen vielleicht zu vollenden. Harzer erklärte, er sei persönlich davon überzeugt, dass auf dem Stadtberg von Hildburghausen die französische Königstochter begraben wurde. Er sei äußerst gespannt, ob die Untersuchungen zum gleichen Ergebnis kommen werden.

Die Dunkelgräfin ruht nun wieder in ihrem Grab am Schulersberg
Filmemacherin Ute Gebhardt und die leitende Redakteurin Eva Hempel erklärten, nach den Grabungen vor einigen Wochen seien die Gebeine bereits untersucht und dreidimensional dokumentiert worden. Es seien genügend Proben für DNA-Vergleiche mit lebenden Nachfahren des französischen Königshauses entnommen worden.

Thomas Meyhöfer vom Interessenkreis "Madame Royale" sagte, es sei nicht einfach, das Geschehen von vor 200 Jahren zu rekonstruieren. Der kleine Geschichtsverein sei schnell an seine Grenzen gestoßen und habe deshalb immer gehofft, dass mit neusten wissenschaftlichen Methoden geklärt werden könne, wer die Dunkelgräfin war und warum sie dieses rätselhafte Leben führte. Meyhöfer sagte, die geheimnisvolle Frau habe das ungewöhnliche Leben mit seinen Entbehrungen, dem Leid, der Isolation und der Einsamkeit sicherlich nicht freiwillig geführt. Die breite Anteilnahme an ihrem entbehrungsreichen Leben dürfte, so Meyhöfer, ein später Trost für die Dunkelgräfin sein.

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Das Grab des „Dunkelgrafen“ auf dem Friedhof in Eishausen
Foto: 2013 © Ulrich Göpfert

Der Heimatverein Eishausen hatte zur Wiederbestattung Erde aus dem Grab des Dunkelgrafen mitgebracht. Der hatte sich gewünscht, ebenfalls in Hildburghausen beigesetzt zu werden - doch sein Wunsch erfüllte sich nicht. Der Heimatverein, der sich in Eishausen schon lange um das Grab des Begleiters der geheimnisvollen Frau kümmert, wolle nun symbolisch diesen Wunsch erfüllen, indem Erde aus dem Grab des Dunkelgrafen in das Grab der Dunkelgräfin gegeben wird.

Steinplatte auf Gebeinskiste gegen unbefugtes Eindringen
Thomas Meyhöfer vom Interessenkreis und Musumsleiter Michael Römhild trugen die weiße Kiste mit den Gebeinen zum Grab. Nach der Exhumierung Mitte Oktober hatten Bauhof und ein Steinmetzbetrieb aus der Region das Grab der Dunkelgräfin restauriert und eine Grabkammer eingerichtet. Die Gebeinskiste wurde dort hineingelegt und mit einer schweren Steinplatte versiegelt. Der MDR erklärte, die Grabanlage werde so die kommenden Zeiten gut überstehen. Die Filmemacher hoffen, dass sich einige Bürger finden, die das Grab pflegen.

Bei der Exhumierung war die Erde aus dem Grab aufbewahrt und später gesiebt worden. Die leitende MDR-Redakteurin Eva Hempel sagte, die Dunkelgräfin bekäme so die Erde zurück, in der sie 176 Jahre lang gelegen habe. Vor Projektbeginn habe der MDR versprochen, die Überreste respektvoll zu behandeln und sie lange vor Bekanntgabe der Ergebnisse würdevoll wieder zu bestatten. Dieses Versprechen sei hiermit eingelöst. Hempel versprach eine hochwertige, wahrhaftige Dokumentation jenseits von Sensationsgier und Spektakel.

Um sicherzustellen, dass tatsächlich die Mitte Oktober exhumierten Gebeine wiederbestattet wurden, hatten Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege, ein Bestatter und Hildburghausens Museumsdirektor das Verschließen und Versiegeln der Kiste überwacht.

Ergebnisse der Erbgut-Analyse im Frühjahr
Ob es sich bei der Toten um die französische Königstochter Marie Thérèse Charlotte de Bourbon handelt, steht noch nicht fest. Ergebnisse der Erbgut-Analysen werden für das kommende Frühjahr erwartet. Wissenschaftler vergleichen dazu die gewonnene DNA mit den noch lebenden Nachfahren der französischen Königsfamilie. Marie Thérèse war das erste Kind von König Ludwig XVI. und Marie Antoinette von Österreich, die beide 1793 in Folge der Französischen Revolution enthauptet wurden. Nach Worten von Eva Hempel könnte sich auch herausstellen dass die Dunkelgräfin nicht Marie Thérèse ist. Mit Methoden der Gesichtsrekonstruktion könnte die geheimnisvolle Frau jedoch ein Gesicht erhalten.

Quelle: MDR.de

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