Die Deutsche Hanse

Terra X:
Die Deutsche Hanse –
Eine heimliche Supermacht 

Zweiteilige Dokumentation
Sonntag, 01. und 08. Mai 2011, jeweils 19.30 Uhr im ZDF

Von Krämern und Königen
Aufstieg und Fall der Deutschen Hanse
Von Alexander Hesse Redaktionsleiter Geschichte und Gesellschaft im ZDF

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Ort großer hanseatischer Geschichte - das
Rathaus von Stralsund.
Foto: 2011 © ZDF/Stephan Zengerle

Bei dem Wort "Hanse" denken viele Deutsche wohl zuerst an die Städte Hamburg, Bremen, Rostock oder Lübeck und ihre Kfz-Kennzeichen. Auf den Nummernschildern hat die Hanse bis heute überlebt – auf den Verkehrswegen des Mittelalters machte der Handelsbund einst Karriere: grenzüberschreitend, prosperierend und unwiderstehlich geschäftstüchtig. Die Kaufleute wurden so mächtig wie die Könige zu jener Zeit. Die Deutsche Hanse – eine heimliche Supermacht.

"Profit" war das Credo,
das aus einem losen Verbund von Kaufleuten eines der bedeutendsten Handelsimperien des Mittelalters entstehen ließ. Ein Imperium, das nicht nur den Handel weit über die Grenzen Europas hinaus dominierte, sondern auch Könige in die Knie zwang. Dabei waren die Anfänge der Hanse wahrlich bescheiden: Anfang des 12. Jahrhunderts schlossen sich niederdeutsche Kaufleute zu ersten Fahrtgemeinschaften zusammen, um gemeinsam bessere Einfuhrbedingungen zu erwirken, Handelswege zu verkürzen und den Gefahren der Straße zu trotzen.

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Kraweel "Lisa von Lübeck"
Foto: 2011 © ZDF/Stephan Zengerle

"Time is money" – das galt auch schon zu Zeiten Friedrich Barbarossas.
Der erkannte die Schlagkraft des Bundes und half den Lübecker Hansekaufleuten mit ersten Handelserleichterungen und Privilegien. Lübeck wurde zur Boomtown und bald auch zum Haupt der Hanse. Entlang der Küste entstanden neue Städte und Umschlagplätze wie Wismar, Stralsund und Rostock. In ihrer Blütezeit gehörten über 200 deutsche Städte der Hanse an. Dennoch blieb sie aus moderner Sicht völlig unorganisiert: Es gab keine einheitliche Verfassung, keine festen Mitglieder, keine territorialen Grenzen. Gleichwohl konnte sich die Hanse als Handelsbund über 300 Jahre erfolgreich gegen ihre Konkurrenten und Feinde behaupten und war ihrer Zeit oft voraus.

Ähnlich der Europäischen Union
arbeitete das Netzwerk der Hanse mit ökonomischen Mitteln, um seine Ziele zu erreichen: Feinde und Konkurrenten wurden mit Boykotten bestraft, Kontore geschlossen und Häfen blockiert. Im Notfall griffen die Kaufleute aber auch zur Waffe – was der Dänenkönig Waldemar Atterdag zu spüren bekam. 1368 besiegten die Krämer den König, der ihren Handel lange genug störte. Ihr Preis: Die Wahl des neuen dänischen Königs bedurfte der Zustimmung der Kaufleute. Im Verbund wurden sie zu einer ernstzunehmenden politischen Macht, die oft auch im Verborgenen die Strippen zog.

Und nicht nur in dieser Hinsicht drängen sich Analogien zu heute auf. Die Hanse agierte grenzüberschreitend, stetig erschloss sie neue Handelsräume – sogar bis nach Island. Auch wenn dabei Gewinnmaximierung und der Erhalt der Handelsprivilegien ihr Antrieb war, ist das Vermächtnis der Hanse weitaus größer. Denn mit ihrer Ausdehnung im Osten von den Baltischen Ländern bis nach Russland breitete sich auch eine gemeinsame Rechtsauffassung aus, die für das heutige Europa wegbereitend war.

In zwei Teilen folgt "Terra X: Die Deutsche Hanse – Eine heimliche Supermacht" den Spuren erfolgreicher wie risikobereiter Kaufleute und begleitet dabei auch die größte Ausgrabung zur Deutschen Hanse im Gründungsviertel Lübecks, der Keimzelle des Handelsbundes.

Sonntag, 1. und 8. Mai 2011, jeweils 19.30 Uhr

Terra X:

Die Deutsche Hanse – Eine heimliche Supermacht

 

Buch Gisela Graichen, Peter Prestel

Regie Carsten Gutschmidt, Peter Prestel

Kamera Jens Boeck, Stephan Heinz

Kameraassistent Sebastian Grau, Lutz Widera

Schnitt Klaus Hernitschek, Ramin Sabeti

Musik Markus Lonardoni

Digital Effects Faber Courtial

Producer Sven Heiligenstein

Produzent Peter Prestel

Redaktion Alexander Hesse, Sonja Trimbuch

 

Teil 1

Sie waren "global player" des Mittelalters: Deutsche Kaufleute und Abenteurer, die mit großem Geschäftssinn und Pioniergeist ein gigantisches Handelsnetzwerk gründeten, das von Island über England und Flandern bis nach Russland reichte. Die zweiteilige "Terra X"-Dokumentation "Die Deutsche Hanse – Eine heimliche Supermacht" erzählt vom Aufstieg eines weitgehend unbekannten und unterschätzten Wirtschaftsimperiums, das Europa prägte und in der europäischen Geschichte einzigartig ist: die Hanse – ein Bund ohne Regierung und ohne festes Territorium, aber dennoch ein Imperium.

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Händler in Reval mit Zobel und Wachs den Schätzen Russlands
Foto: 2011 © ZDF/Stephan Zengerle

Über die Westsee, wie die Nordsee damals hieß, und über die Ostsee transportierten die Kaufleute der Hanse in dickbäuchigen Koggen gewinnbringend Luxusgüter und Massenwaren: wertvolle Pelze aus Novgorod, Stockfisch aus Bergen, Salz aus Lüneburg und Lissabon, feinste Tuche aus Flandern, Spezereien aus dem Orient. Die Geschäftsbeziehungen der Hanse reichten über die Grenzen Europas hinaus und ließen die Welt ein Stückchen zusammenwachsen – zumindest auf dem Warentisch.

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Holstentor und Salzspeicher in Lübeck, der heimlichen Hauptstadt
des Hanseimperiums
Foto: 2011 © ZDF/Stephan Zengerle

Die Hanse trug nicht nur zur Europäisierung bei, sondern war auch ein erster Schritt der Globalisierung. Mit ihrer kompromisslosen Jagd nach Profit setzte das immer größer werdende Netz der Hanse-Händler Prozesse in Gang, die fast revolutionär anmuten. In der Welt der Hanse war erstmals nicht die Abstammung entscheidend, sondern Schnelligkeit und unternehmerisches Geschick. In den prosperierenden Städten übernahm ein neuer Mensch die Führung: der Bürger, selbständig und selbstbewusst. So selbstbewusst, dass er auch Königen die Stirn bot.

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Ein einmaliger historischer Schatz: Professor Hamel-Kiesow studiert das Handelsbuch des Hanse-Kaufmanns Wittenborg
Foto: 2011 © ZDF/Stephan Zengerle

Der erste Teil der "Terra X"-Dokumentation "Die Deutsche Hanse – Eine heimliche Supermacht" erzählt die abenteuerliche Geschichte des Kaufmanns Johann Wittenborg, der als Bürgermeister von Lübeck mit einer Kriegsflotte gegen den König der Dänen segelt: Es kommt zu einem Showdown zwischen Bürger und König.

In einem Zusammenspiel von Dokumentation, Reenactment und CGI (Computer Generated Images) verfolgt der Film die steile Karriere des bedeutenden Handelsbundes des Mittelalters.

Für den ZDF-Zweiteiler begleitet das "Terra X"-Team in Lübeck die bislang größte archäologische Grabung zur Hanse. Renommierte Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen geben den neuesten Stand zu einem einzigartigen Phänomen des Mittelalters wieder, das seiner Zeit in vielen Bereichen weit voraus war und damit die Grundlagen für unser heutiges Europa bereitete.

Teil 2

Ende des 14. Jahrhunderts. Die Koggen der Hanse haben ein Weltreich erobert, das Bündnis von freien Kaufleuten und Städten wurde zu einer ökonomischen Supermacht mit Handelsverbindungen von Russland bis Spanien, von Venedig bis nach Island.

Im zweiten Teil der Dokumentation "Die Deutsche Hanse – Eine heimliche Supermacht" steht das Handelsimperium der deutschen Kaufleute an einem Scheideweg. Immer mehr Menschen wollen am Reichtum der Hanse teilhaben. Die Handwerkerzünfte rebellieren gegen die herrschenden reichen Fernhandelskaufleute der Städte und auf den Meeren treiben Piraten ihr Unwesen, die von den immer mehr anschwellenden Warenströmen der Hanse angezogen werden.

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Phantasieporträt von Störtebecker, dem
berüchtigten Seeräuber. Gefürchtet und gejagt
von den Kaufleuten der Hanse
Foto: 2011 © ZDF/Stephan Zengerle

Der gefürchtetste Pirat: ein gewisser Klaus Störtebeker! Die Hanse ist durch ihn und seine Kumpanen in Gefahr, denn ihr höchstes Gut ist immer noch der freie, ungestörte und verlässliche Handel. Kurz vor der Jahrhundertwende nehmen die Überfälle an den Ostseeküsten bedrohliche Ausmaße an. Freibeuter überfallen die Hanseschiffe, der Osthandel kommt beinahe zum Erliegen.

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Ein Sensationsfund für die Historiker: Die Originalbriefe von Hildebrand Veckinchusen, gefunden in einer Pfefferkiste
Foto: 2011 © ZDF/Stephan Zengerle

Die Kaufleute, darunter der junge Hildebrand Veckinchusen, müssen etwas unternehmen, denn ihre Profitgier ist groß und auch durch Piratenflaggen nicht zu stoppen. Es geht um den Erhalt von Macht und Geld – und Veckinchusen ist ein Mann, der mit Leidenschaft spekuliert und schließlich für das Geschäft seines Lebens alles auf eine Karte setzt.

Der zweite Teil der "Terra X"-Dokumentation erzählt die wechselvolle Geschichte des Kaufmanns Hildebrand Veckinchusen, dessen Leben durch seine bis heute erhaltenen Briefe herausragend dokumentiert ist. Er blickt auf das Handelsimperium an seinem Wendepunkt – bedroht von Piraten, ausländischen Konkurrenten und der wachsenden Maßlosigkeit der Hansekaufleute.

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