Die „Hungersemmel“ von 1817

Die „Hungersemmel“ von 1817
Ein neues Exponat in der Ausstellung „1816 – Das Jahr ohne Sommer“
in der Landesbibliothek Coburg

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Hungersemmel von 1817

Mit Hilfe des Gerätemuseums Ahorn konnte die Ausstellung „1816 – Das Jahr ohne Sommer“ in der Landesbibliothek Coburg um ein interessantes Stück ergänzt werden: eine „Hungersemmel“ von 1817.

In der Zeit der Wetterverschlechterung, Missernten und dadurch hervorgerufenen Hungersnot wurde das Getreide immer teurer. Wie die Veröffentlichung der „Brottaxe“ im Regierungs- und Intelligenzblatt zeigt, stieg der Preis für Brot und Semmeln nicht, sondern man bekam für das gleiche Geld, hier 6 Pfennige, eine Semmel mit immer geringerem Gewicht; die 3-Pfennig-Semmel wurde im Verlauf der Teuerung ganz abgeschafft. Aus der schlimmsten Phase, der Zeit kurz vor der Ernte von 1817, hat sich im Gerätemuseum Ahorn eine „Hungersemmel“ erhalten, an der man sehen kann, wie klein die Semmeln geworden waren. Sie ist nun in der Vitrine „Coburg 1816/1817“ ausgestellt.

Die Semmel ist von alter Hand beschriftet: „Semmel 1817 Von Bäcker Griebel“ kann man darauf lesen. In der Ketschengasse 23, die nachweislich seit 1595 als Bäckerei genutzt wurde, befand sich der Betrieb der Familie Griebel, die schon seit mehreren Generationen diesem Handwerk nachging. 1817 gehörte die Bäckerei Johann Georg Griebel, der bei der Arbeit sicherlich schon von seinem Sohn Nicolaus Christoph Griebel unterstützt wurde, der das Haus 1820 übernahm.

Die Überlieferung eines solchen Stückes ist eine große Seltenheit
Zu ihrer Zeit zwar als Symbol und Erinnerungsstück geschätzt, sahen spätere Generationen nicht unbedingt den Wert des Objekts, das unscheinbar und materiell geringwertig wirkt, doch für die Ausstellung über die Hungersnot von 1816/17 und zur Erinnerung an diese schreckliche Zeit stellt sie eine große Bereicherung dar.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 02. September 2016 im Vorraum der Landesbibliothek Coburg und kann während der Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag: 10 - 17 Uhr;
Freitag und Samstag: 10 - 13 Uhr besichtigt werden.

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