"Die Mätresse des Königs"

"Die Mätresse des Königs"
Bauprobe im Zwinger –  Stunde der Wahrheit
für jeden Bühnenbildner

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Wallpavillon im Zwinger
Foto: 2011 © Steffen Nitzsche

Wenn es im August heißt, „Bühne frei für die Mätresse des Königs“ wird die eindrucksvolle Zwinger-Kulisse einige Veränderungen erfahren haben. Eine Zuschauer-Tribüne mit ca. 1.800 Plätzen gibt den Blick frei auf die Bühne vor dem Wallpavillon. Dort werden von Bühnenbildner Jens Kilian verschiedene Räume geschaffen, in denen sich die Figuren der Geschichte bewegen. Ein Staatsempfang im Dresdner Schloss, der Garten des Grafen Hoym, ein Heerlager und nicht zuletzt die letzte Zuflucht der Gräfin Cosel, Burg Stolpen. Wie sich Jens Kilian dieser schwierigen Aufgabe stellt, demonstrierte er am Modell zur Bauprobe vor Ort. Bewegliche 6 m hohe Dreiecksäulen schaffen, von vielen Komparsen-Händen bewegt, immer wieder neue Räume.

Kostümbildnerin Ella Späte schafft dafür die passenden Gewandungen. Fast 100 Kostüme werden nötig sein. Chefmaskenbildnerin Katharina Börner gibt den Figuren ihr Gesicht.

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Dieter Wedel am Bühnenmodell
Foto: 2011 © Dresden Event GmbH

Das Modell für das Bühnenbild wurde präsentiert und auf Realisierbarkeit geprüft, indem mit einfachen Probekulissen die Proportionen zwischen Bühnenaufbauten, Schauspielern und der Zwingerkulisse selbst auf ihre Stimmigkeit hin getestet wurden. Besonderheiten wie Auftrittsmöglichkeiten für die Schauspieler, Wege zur Bühne wurden am Ort des Geschehens abgegangen. Auch und besonders die Sichtverhältnisse für das Publikum ließen sich so gut überprüfen.

Dieter Wedel ist begeistert: „Nach wochenlanger Beschäftigung mit dem Stück saßen wir dann tagelang vor dem Modell wie kleine Jungs vor der Modelleisenbahn und haben die Szenen durchgespielt. Sind die Säulen hoch genug? Wird etwas verdeckt? Von wo aus treten die Schauspieler auf? Wichtige Fragen, die zu klären waren. … Der Zwinger ist schon da. Den Rest bauen wir. Die große Bühne bekommt eine intime Wirkung und die Magie des Lichtes wird am Abend ihren besonderen Zauber entfalten.“

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Dieter Wedel, Annett Reeder und Helmut Zierl im Dresdner Zwinger
Foto: 2011 © Dresden Event GmbH / Ralf U. Heinrich

Mit den Zwingerfestspielen 2011 kehrt die Geschichte um August, den Starken an ihren Ursprungsort zurück:

"Die Mätresse des Königs" - Uraufführung 2011
Ein modernes Drama in fünf Akten
Regie: Dieter Wedel, Buch: John von Düffel

Wer war der Mann, den Zeitgenossen spöttisch "den Starken" nannten? Er selber hätte wohl den Beinamen "der Große" oder "der Kluge" vorgezogen. Was interessiert Theaterbesucher von heute noch an dem "sächsischen Sonnenkönig", dem glücklosen Feldherrn, leidenschaftlichen Kunstliebhaber und unersättlichen Weiberhelden August?

Aus Rom und Florenz wird er überraschend zurückgerufen, um das Amt des Staatsoberhauptes anzutreten. Er will große Siege erringen, aber er ist kein Schlachtenlenker. Über seine Niederlagen versucht er, sich mit zahlreichen Affären hinwegzutrösten. Er begegnet der schönen, klugen und starken Gräfin Cosel. Sie wird zur Liebe seines Lebens.

Um sie zu beeindrucken, lässt er Architekten und Künstler, die er auf seinen Italienreisen kennengelernt hat, nach Dresden kommen. Mit immer neuen, immer grandioseren Bauwerken will er seiner Liebe huldigen. Dabei bewirkt er für Dresden und Sachsen mehr, als jede gewonnene Schlacht das vermocht hätte. Er verschuldet sich hoch und versucht verzweifelt, Geld aufzutreiben. Er befiehlt einem Chemiker, Gold zu machen. Dabei entdeckt der so ganz nebenbei das Rezept, nach dem die Chinesen seit Jahrhunderten Porzellan herstellen. August erkennt sofort die wirtschaftlichen Möglichkeiten, gründet die Dresdner Porzellan-Manufaktur und befreit sich von seinen Schulden.

Je mehr er an Ansehen und Macht gewinnt, desto mehr verliert die Frau, die ihm in schwierigen Zeiten Halt gab und kluge Ratgeberin war, an Einfluss. Der Fürst entledigt sich schließlich all jener, die Zeugen seines Niedergangs waren. Er verbannt die Gräfin Cosel auf die Burg Stolpen. Für viele Jahrzehnte. Und sie bleibt auch dort, nachdem der Kurfürst längst tot ist.

Aus der Geschichte wissen wir, wie die Personen sich verhalten haben. Aber wir wissen nicht, warum. Das Stück bietet Antworten auf diese Fragen. Es ist kein buntes Historienspektakel, sondern ein großes, modernes Drama über die Vereinsamung durch Macht, die Vergänglichkeit von Liebe und die Zwänge, denen politische Karrieren zu allen Zeiten unterliegen.

Mit den Zwingerfestspielen kehrt die Geschichte um August, den Starken an ihren Ursprungsort zurück. 2011 wird Intendant Dieter Wedel selbst die Uraufführung von "Die Mätresse des Königs" mit einem prominenten Schauspieler-Ensemble im Dresdner Zwinger an historischer Stätte inszenieren.

Quelle: Dresden Event GmbH
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