Bamberger Marionettentheater

Bamberger Marionettentheater
Das Kulturereignis in Bamberg

Ein Beitrag von Ulrich Göpfert

Bamberg
Heute möchte ich ihnen von einem ganz besonderen Theater berichten, dass ich in Bamberg besuchte – dem Bamberger Marionettentheater. Seitdem bin ich fasziniert von diesem „einmaligen Theaterchen“ im Herzen der Stadt Bamberg.

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Das Bamberger Marionettentheater
… es war wie der Fund einer blauen Mauritius.
Foto: 2012 © Bamberger Marionettentheater

Keinen geeigneten Ort kann sich das Bamberger Marionettentheater vorstellen, als die Weltkulturerbestadt Bamberg. In ihr ruht dies Kleinod von ganz besonderer Art. Denn in seinen Räumen beherbergt das Theater ein kleines Spielzeugmuseum und eine beachtenswerte Papiertheatersammlung. Nicht nur das. Die Bühne, mit einem Zuschauerraum von 30 Sitzplätzen, ist in einem wunderschönen Barockpalais, dem Staubschen Haus untergebracht.

Dieses passende Ambiente umfängt das Theaterchen einmalig weil es von 1821 stammt, einmalig, wie das Zusammenwirken von Kulissen, Figuren, Dekoration und Beleuchtung den Zuschauer fasziniert, einmalig in der Illusion, die den Besucher glaubend macht, er säße vor einer großen Bühne und einmalig darin, dass nach dem Spiel bei einem Gang hinter die Bühne, die Geheimnisse dieser Illusion für ihn gelüftet werden.

Wie bei einem alten hochwertigen Instrument entlocken die Spielerinnen mit Hingabe dem Theaterchen die feinsten Spielweisen, nach Tradition und alten Theatertechniken. Sie erfüllen die Bühne mit Leben des 18. Jahrhunderts. Tauchen Sie ein in vergangene Spielkultur und Bühnenkunst, die einmalig in ihrer Art Europa weit ist.

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Ein Originaltheater aus dem Jahr 1821
Mit ihm begann für Klaus Loose die Liebe zum Marionettentheater.
Bis heute wird dieses Original als Bühne des Marionettentheaters  genutzt.
Foto: 2012 © Bamberger Marionettentheater


Geschichtliche Entwicklung – Gegenwart
Herr Klaus Loose, der frühere Prinzipal dieses Theaters, fand 1958 dieses Unikat in einem Kellerladen im Antiquitätenviertel Berlins. Dieses alte Theater aus dem Jahre 1821 war von einem Theaterpraktiker hergestellt worden, dessen Bühne sowohl mit Papierfiguren, wie auch Marionettenfiguren bespielbar war.

Bevor das Theater in Bamberg seinen Platz fand, stand es in Oldenburg und wurde vom Prinzipal bespielt. In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts hat das kleine Theater seine Bleibe in einem städtischen Palais gefunden, wie es idealer kaum zu denken ist. Als Eingang zu diesem Theater bietet sich dem Besucher ein Treppenaufgang von 1795. Die Theaterräume mit den entsprechenden Lüstern, Möbeln, Tapeten, Deckenstrukturen, ja die Räume mit all dieser Stimmigkeit und Schönheit versetzen den Zuschauer in die Theaterwelt des 19. Jahrhunderts. In diesen Räumen werden ferner eine kleine Sammlung historischer Miniaturtheater, verschiedene Marionettenfiguren und eine Spielzeugsammlung gezeigt. Staunend erfreuen sich die Zuschauer dieser Welt.

Das Theater wird als Repertoiretheater geführt, d. h. Neueinstudierungen werden im Wechsel mit älteren Inszenierungen gespielt. Somit werden alle Stücke immer wieder aufgeführt. Zurzeit verfügt das Theater über vier Opern: Zauberflöte, Freischütz, der fliegende Holländer und Hänsel und Gretel. Außerdem stehen alte Volksschauspiele wie Dr. Faust, Rosenrot und Don Juan auf dem Spielplan, wie auch Stücke, die speziell mit Bamberg etwas zu tun haben: z.B. der Sandmann von E.T.A. Hoffmann und ebenso die Bamberger Fassung vom Kätchen von Heilbronn. Letzteres ist eine besondere Spielart des Theaters, es präsentiert nämlich Papiertheater, was nur noch selten in historischer Art zu sehen ist. Doch nicht zu vergessen ist der Gedanke: was wäre ein Theater ohne die jungen Leute? Es wird versucht, sie an Theaterkultur heranzuführen. So gibt es auch mehrere Theaterstücke für die Jüngsten.

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Die Zauberflöte
Die Feuer- und Wasserprobe, Szenenbild aus der Neuinszenierung der "Zauberflöte" mit den beiden Gewappneten links und rechts im Vordergrund. Der Entwurf stammt von Karl Friedrich Schinkel (Berlin 1816).
Foto: 2012 © Bamberger Marionettentheater

Wirkung des Theaters
Das Theater, europaweit einmalig, ist spezialisiert darauf, Stücke so zu spielen, wie sie auf großen Bühnen gespielt werden. Beim Marionettentheater ist das möglich, bei Figuren wie Handpuppen, Schattenfiguren nicht. Wenn sie in das Marionettentheater nach Bamberg kommen, umfängt sie eine ganz eigene Atmosphäre. Sie sitzen in einem kleinen Zuschauerraum, und wenn das Licht ausgeht, konzentrieren sie sich auf das Proszenium, die Guckkastenbühne so extrem, dass sie sich nach einer gewissen Zeit als Zuschauer eines großen Bühnenhauses in den hinteren Rängen empfinden. Wie geschieht so etwas? Der Maßstab, der sie täglich umgibt, wird 1:10 auf die Bühne übertragen. Nach diesem Maßstab richtet sich alles auf der Bühne aus, die Kulissen, die Figuren, die Versatzstücke.

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Undine
Sehnsüchtiger Gesang ihrer Schwestern tönt herauf.
Foto: 2012 © Bamberger Marionettentheater

Wie läuft ein Theaterspiel ab?
Hinter der Bühne sind drei Figurenführer und ein Beleuchter. Der Beleuchter beherrscht eine komplexe Anlage, die es manuell zu schalten gilt. Er öffnet alle Vorhänge, bewegt Schleier, ist für alle Lichtverhältnisse und –effekte verantwortlich, er bedient die Nebelmaschine etc. Manchmal muss er auch Puppen führen.

Jeder Spieler hat seine bestimmten Aufgaben. Ein Spieler ist für das Bereithängen der Puppen verantwortlich. Diese müssen exakt hängen, wo sie zum Spieleinsatz abgegriffen werden. Da das Spiel weitgehend im Dunkel abläuft (es gibt nur eine kleine Notbeleuchtungen und die Ausleuchtung der Bühne), müssen alle Gegenstände, Kulissen, etc. auf ihren Platz sein. Beim Bildumbau wechseln die Spieler Kulissen und Prospekte, ebenso die Versatzstücke, richten Filter und Scheinwerfer aus und anderes mehr. Die Vor- und Nachbereitung des Stückes dauert je eine Stunde. Nach dem Spiel dürfen die Zuschauer hinter die Bühne und erhalten einen Einblick in die Welt hinter den Kulissen.

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Genoveva - Die schöne Pfalzgräfin vom Rhein
Graf Siegfried und sein treuer Gefolgsmann, Ritter Wolf,
in einem Saal der Siegfriedsburg.
Foto: 2012 © Bamberger Marionettentheater 

Was ist bei einer Inszenierung zu beachten?
Eine Oper im Marionnettentheater benötigt viel Zeit. Bis eine Inszenierung fertig ist, dauert es meist zwei Jahre. Bei meinem Besuch im Marionettentheater Bamberg wurde mit Hochdruck am Theaterstück „Ein Sommernachtstraum“ von William Shakespeare gearbeitet, das in Kürze zur Premiere gelangt.

Live-Musik gibt es bei den Vorstellungen nicht, sie kommt vom Band. Was ist zu beachten? Es wird versucht eine Studioaufnahme zu finden. Warum? Um die Lautstärkenschwankungen einer Live-Aufnahme zu umgehen. Für einen kleinen Zuhörerraum sind sie störend.

Der Bau der Puppen wird im Hause selbst erstellt. Dabei wird jedes Teil von Hand gefertigt, Hände, Köpfe, Beine… Da bis jetzt kaum Kinderfiguren in den vorhandenen Stücken benötigt wurden, mussten für die Inszenierung von Hänsel und Gretel viele Teile neu entworfen und konstruiert werden. Der Prozess ist langwierig und speziell. Alle Puppen werden nach historischen Vorlagen gekleidet.

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Dr. Faust
Fausts Monolog in seinem Studierzimmer.
Foto: 2012 © Bamberger Marionettentheater


Kommen wir zum Licht der Bühne
Früher wurde dieses kleine Theater mit Kerzen- und Öllicht betrieben. Durch die Umrüstung auf elektrisches Licht, ist eine viel bessere Ausleuchtung möglich. Verschiedene Lichtquellen, unterschiedliche Farbfilter, exakte Ausrichtung der Scheinwerfer, der Einsatz von UV-Licht und vieles mehr ermöglichen, dass für den Zuschauer die Bilder in der Tiefe wirken, die Stimmung transportiert wird und die Figuren und Versatzteile gut zu Geltung kommen. Bei Umbauten ist der Orchestergraben eigens beleuchtet. Ein wunderschöner kleiner Bühnenkronleuchter vor dem Stückvorhang stimmt den Besucher auf das Gesamterlebnis ein. Um genau zu wissen, welche Beleuchtungskörper und Filter wann, wo und wie zum Einsatz kommen, bedarf es vieler Beleuchtungsproben. Ebenso laufen viele detaillierte Spielproben ab, bevor das Stück Premiere hat.

Die Herausforderung
All diese Mühen ergießen sich in große Freude, wenn der Vorhang sich das erste Mal öffnet, das kleine Theater sich mit Leben erfüllt, mit den kleinen Figuren, den Dekorationen, dem Licht und dem Klang. Wenn der Zuschauer gebannt ist und sich hineingezogen fühlt in das künstlerische Gesamterlebnis.

All diese Anstrengungen sind es wert, dieses Kleinod zu erhalten und seine Spielkunst immer wieder lebendig werden zu lassen. Viele Touristen, die dieses Marionettentheater gefunden haben, können es nicht fassen, dass es in dieser Art Theaterkunst gibt. Auf den kleinen Brettern des kleinsten Theaters Bambergs, welches in Deutschland einmalig in seiner Spielkultur ist, wird Oper und Theater gespielt, eben auf diesen Brettern, die die Welt bedeuten.

Der Gründer des Theaters und frühere Prinzipal, Klaus Loose, hat das Theater der Stadt Bamberg geschenkt. Diese wiederum stellt das Theaterinventar dem Verein Freunde des Bamberger Marionettentheaters e.V. zur Verfügung, der der Träger und Betreiber dieses Theaters ist.

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Don Juan oder der steinerne Gast
Don Juan vor dem Palast Don Pietros, des Statthalters von Sevilla.
Foto: 2012 © Bamberger Marionettentheater

Den neuesten Spielplan und die Kartenbestellung finden Sie unter:
www.bvd-ticket.de


Weitere Informationen
Bamberger Marionettentheater,

Untere Sandstraße 30

96049 Bamberg

Tel.: 0951/67600

www.bamberger-marionettentheater.de

Eintrittskarten erhältlich über:
bvd Kartenservice Bamberg,
Lange Straße 22
96047 Bamberg
Tel.: 0951/9808220
Fax: 0951/9808230
www.bvd-ticket.de

Quellenhinweis: Bamberger Marionettentheater
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